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Pressespiegel, Rezensionen, Gegendarstellungen, Gutachten, Laudatio

1987-2006

Übersicht/IndexBearbeiten

Erklärung:  x  bedeutet ???

Nr
Dokument
Datum
Quelle
60 Bommarius 2006 2006-10-09 Berliner Zeitung
59 Mathiopoulos 2004 2004 Bayerischer Rundfunk
58 Pflüger 2004 2004 _Monografie
57 Mathiopoulos 2004 2004-03
56 Merseburger 2002 2002 _Monografie
55 Der Spiegel 2002 2002-08-19 DER SPIEGEL
54a Prußky 2002 2002-16-08 DUZ
54 Bommarius 2002 2002-07-08 Berliner Zeitung
53 Mathiopoulos 2002 2002-07-05 Die Welt
52 Gutachten Görtemaker 2002 2002-02-14
51 Gutachten Kroener 2002 2002-01-11
50 Gutachten Hacke 2002 2002-01-10
49 Finetti/Himmelrath 1999 1999 _Monografie
48 Schmidt 1997 1997 _Monografie
47 Simon 1997 1997-12-18 FAZ
46 Gegendarstellung Mathiopoulos 1997 1997-06-28 SZ
45 Widerruf PR Magazin 1995 1995-12 pr magazin
44 Focus 1995b 1995-11-27 FOCUS
43 Mathiopoulos 1995 1995 _Monografie
42a DUZ 1995 1995-05-05 DUZ
42 Pressemitteilung TU Braunschweig 1995 1995-02-15 PM
41 Gutachten Leggewie 1995 1995-02-10
40 Gutachten Lompe 1994 1994-
39 Gutachten Wittkämper 1994 1994-08-05
38 Focus 1995a 1995-01-09 FOCUS
37 Mathiopoulos 1993 1993 _Monografie
36 Gegendarstellung Mathiopoulos 1993 1993 Amst
35 Gegendarstellung Mathiopoulos 1992 1992-12-17 FAZ
34 Bahners 1992 1992-12-12 FAZ
33 Denzler 1992 1992-01-18 SZ
32 Amerikastudien 1991 1991 Amst
31 Rezension Shell 1991 1991 Amst
30 Schreiben Keipert 1991 1991-04-30 Bescheid
29 Bericht Ströker-Kommission 1991 1991-03-25 Bericht
28 Rezension Frohnen 1991 1991-03 APSR
27 Rezension Garfinkle 1990 1990 ORBIS
26 Rezension Benecke 1989 1989-11 Neusprachliche Mitteilungen aus Wissenschaft und Praxis
25 Rezension Falke 1989 1989 German Politics and Society
24 Leserbrief Mewes 1989 1989-10-09 DER SPIEGEL
23 Leserbrief Mathiopoulos 1989 1989-09-18 DER SPIEGEL
22 Der Spiegel 1989 1989-09-11 DER SPIEGEL
21a Antwerpen 1989 1989-07-01 Bonner General-Anzeiger
21 Mathiopoulos 1989 1989 _Monografie
20 Rezension Angermann 1988 1988 Das Historisch-Politische Buch
19 Rezension Bülow 1988 1988 Politique Étrangère
18 Rezension Renzsch 1988 1988-11-15 SZ
17 Rezension Buhl 1988 1988-10-21 DIE ZEIT
16 Vorländer 1988 1988 Neue Politische Literatur
15 Rezension Stürmer 1988 1988-04 Sender Freies Berlin
14 Rezension Weidenfeld 1988 1988-02-16 FAZ
13 Annotation Haupts 1988 1988 Annotierte Bibliographie für die politische Bildung
12 Michal 1988 1988 _Monografie
11 Rezension Renkhoff 1987 1987 ekz-bibliotheksservice
10 Annotation Defossé 1987 1987 Beiträge zur Konfliktforschung
9 Rezension M 1987 1987-11-07 NZZ
8 Börsenblatt 1987 1987-10-27 Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
7a Antwerpen 1987 1987-10-08 Bonner General-Anzeiger
7 Der Spiegel 1987b 1987-10-05 DER SPIEGEL
6 Mathiopoulos 1987 1987 _Monografie
5a Bonner General-Anzeiger 1987 1987-06-09 Bonner General-Anzeiger
5 Gerste 1987 1987-03-27 DIE ZEIT
4 Der Spiegel 1987a 1987-03-23 DER SPIEGEL
3 Pressemitteilung SPD 1987c 1987-03-19 PM
2 Pressemitteilung SPD 1987b 1987-03-19 PM
1a Wittke 1987 1987-03-18 Bonner General-Anzeiger
1 Pressemitteilung SPD 1987a 1987-03-17 PM
0 Promotionsordnung Bonn 1970 1970-08-24

2006Bearbeiten

Christian Bommarius: Alles muss raus. Der Scheidungskrieg Pflüger gegen Mathiopoulos pflastert den Boulevard. Er zeigt ein besonderes Verhältnis zu Diskretion und Würde, Berliner Zeitung, 09.10.2006, S. 3

(z.T. bereits in Ders.: Ein Erfolg wird besichtigt, Berliner Zeitung, 08.07.2002, S. 1)

"Doch unterlegen ist seinerzeit nur der viel geliebte Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratie, nicht die damalige Verlobte Pflügers, denn seither steht sie unablässig dort, wo der Erfolg seine Heimstatt hat – im Licht der Öffentlichkeit. Ihre stupende Begabung, Niederlagen einfach nicht zuzulassen, hat sie vermutlich spätestens auf der Universität gelernt. Zwar hat die Frankfurter Allgemeine ihr vorgehalten, sie habe die 'Orientierung an der regulativen Idee der Wahrheit' aufgegeben, nachdem sie ihre Doktorarbeit ('Geschichte und Fortschritt im Denken Amerikas') in Teilen ohne Nachweis aus Standardwerken abgeschrieben habe. Doch wer will darin im Ernst schon eine Niederlage sehen? Gewiss nicht Margarita Mathiopoulos – ohne die Promotion wäre sie heute kaum Honorarprofessorin für US-Außenpolitik und Internationale Sicherheitspolitik am Historischen Institut der Universität Potsdam.

Und nun, da – zum ersten Mal? – eine Niederlage nicht nur droht, sondern rechtskräftig verkündet ist, nun, da Mathiopoulos nicht nur den Ehemann, sondern auch den Prozess ums Geld gegen ihn verloren hat und auch ihre Androhung, das Geld nicht an Pflüger zu zahlen, sondern 'wirklich Bedürftigen' zu spenden, zu Recht als dreister Unsinn erkannt und zurückgenommen wurde, wäre das nicht eine gute Gelegenheit, einfach mal den Mund zu halten?

Anlässlich ihres Übertritts von der SPD in die FDP im Juli vor vier Jahren hat Margarita Mathiopoulos öffentlich beteuert: 'Es ist erfrischend, dass die FDP seit jeher ein unbelastetes Elitebewusstsein hatte.' Das teilt sie offenbar mit der Partei und rief sich – standesgemäß in der Bild-Zeitung – zur moralischen Siegerin aus: 'Es gibt juristische Urteile, die mit Anstand und Würde nichts zu tun haben.'"

2004Bearbeiten

Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos (EAG European Advisory Group GmbH) im Gespräch mit Dr. Eberhard Büssem, Bayerischer Rundfunk, Alpha-Forum, Sendung vom 13.12.2004 (unpag. Transkript)

"Büssem: Man kann Sie ja mit Fug und Recht als Powerfrau bezeichnen. Ich muss direkt ablesen hier vom Zettel, was Sie alles studiert haben: Sie haben Politikwissenschaften, Alte Geschichte, Rechtswissenschaften, Psychologie und italienische Philologie in Deutschland, in Paris und in Harvard mit dem Abschluss als Magister und Doktor studiert. […] Sie haben in Ihrer Promotion bereits ein Thema Ihres Lebens anklingen lassen, nämlich das Experiment des Fortschritts. Kann man das so ein bisschen als Grundakkord Ihrer wissenschaftlichen Arbeit ansehen?

Mathiopoulos: Ja, ich freue mich, dass Sie das ansprechen, weil mich die Idee des Fortschritts, des Verfalls in meinen wissenschaftlichen Arbeiten immer schon sehr bewegt hat. Was mich besonders interessiert hat, ist der Vergleich des politischen Denkens in Europa und in den USA. Und darum zentrierte sich auch meine Doktorarbeit, aber auch die eine oder andere Schrift später. Ich fand es jedenfalls sehr bemerkenswert zu sehen, wie die amerikanischen Gründerväter sich hingesetzt und die europäische Geschichte studiert haben: Sie haben die griechischen Philosophen wie z. B. Aristoteles, Platon, Thukydides gelesen, sie haben die Römer gelesen, sie haben Locke und Montesquieu gelesen usw. Erst dann haben sie ihre Verfassung geschrieben und die Schlüsse gezogen, was sie alles in den USA besser machen wollen. Sie fragten sich also: 'Welche Gesellschaftsform wollen wir uns geben?' Das ist das, was mich immer schon sehr bewegt hat, dass einerseits Amerika und Europa sehr eng verflochten sind, dass es andererseits aber auch fundamentale Unterschiede gibt. [...] Und das zu analysieren und aufzuzeigen war für mich sehr wichtig, auch für mein eigenes Denken und Wirken." (S. [1])


Friedbert Pflüger: Ein neuer Weltkrieg? Die islamistische Herausforderung des Westens, Stuttgart 2004

"Den fundamentalen Unterschied im Fortschrittsdenken zwischen Europa und Amerika hat niemand besser herausgearbeitet als Margarita Mathiopoulos in ihrem Buch 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa'." (S. 28)


Margarita Mathiopoulos: Ein Liberales Manifest. Plädoyer für den Westen, für Deutschland als führende Nation und ein Europa als global player. Plädoyer für eine FDP, die mehr liberale Politik wagt – mehr Mitmenschlichkeit, mehr Markt, mehr Führung, März 2004 (Langfassung) (Kurzfassung in: Financial Times Deutschland, 10.03.2004)

"Es muss [...] vordringliche Aufgabe freidemokratischer Politik sein, einen liberalen Wertekodex der vom Verfall bedrohten bürgerlichen Tugenden – Anstand, Sittlichkeit, Ehrlichkeit, Pflichtgefühl, Großzügigkeit, Disziplin, Fleiß – aufrechtzuhalten, um den Vormarsch der Sünden – Wollust, Gewalt, Betrug, Lüge, Laster, Selbstsucht (das 11. Gebot 'du sollst dich nicht erwischen lassen') Einhalt zu gebieten." (Langfassung, S. 10)

"Wir müssen einen liberalen Wertekodex der vom Verfall bedrohten bürgerlichen Tugenden – Anstand, Sittlichkeit, Ehrlichkeit, Pflichtgefühl, Großzügigkeit, Disziplin, Fleiß – aufrechterhalten." (Kurzfassung)

2002Bearbeiten

Peter Merseburger: Willy Brandt. 1913-1992. Visionär und Realist, Stuttgart/München 2002

"Im Zeitalter des Fernsehens und der Medien verspricht er [Willy Brandt] sich besondere Aufmerksamkeit für Entscheidungen der SPD, wenn ein attraktives Gesicht sie verkündet […]. Nicht zuletzt wäre eine Margarita Mathiopoulos als Sprecherin der Partei auch ein Versuch, das langweilige Bild, das die SPD bisher geboten hat, endlich einmal bunt aufzumischen. Ihr Vater Basil Mathiopoulos, ein seit langem in Deutschland ansässiger griechischer Journalist, ist mit der Familie Brandt befreundet, ihre Mutter lehrt in Köln und Erlangen Byzantinistik und Archäologie; Margarita ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, hat in Florenz, in Harvard und an der Sorbonne studiert, ihren Doktorhut in Bonn erworben und beim WDR erste journalistische Erfahrungen gemacht.
[…] Die junge Karrierefrau verhehlt Brandt und Glotz nicht, was gegen sie spricht: Sie hat für ihr Studium ein Stipendium der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung erhalten und ist mit dem CDU-Mitglied Friedbert Pflüger verlobt, dem Pressesprecher des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Doch sie fühlt sich geehrt, mit einer Persönlichkeit vom Format Willy Brandts zusammenzuarbeiten […]" (S. 800)

"Nach Jahren wird selbst Peter Glotz einräumen, daß der Vorschlag unbedacht war, denn Margarita Mathiopoulos' spätere Karriere belege, daß sie eher rechtsliberaler Gesinnung sei. Ein Mann wie Horst Ehmke hatte so etwas von Anfang an vermutet: Er sagte einen baldigen Zusammenstoß zwischen der ehrgeizigen, zur Selbstüberschätzung neigenden jungen Dame und der Baracke voraus: Die neue Pressesprecherin werde 'spätestens nach drei Monaten im Krach gehen und dann ein Buch gegen die SPD schreiben'." (S. 801)


Ohne Nachweis, DER SPIEGEL, Nr. 34/2002 (19.08.2002), S. 95 (PDF)

"Ein peinliches Eigentor hat Margarita Mathiopoulos vor der Berliner Pressekammer geschossen: Die heute 45-Jährige […] hatte gegen die 'Berliner Zeitung' vor dem Gericht eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung erwirkt. Das Blatt hatte Anfang Juli anlässlich des FDP-Beitritts der bislang Parteilosen unter Berufung auf eine frühere 'FAZ'-Veröffentlichung berichtet, sie habe 'ihre Doktorarbeit […] in Teilen ohne Nachweis aus Standardwerken abgeschrieben'. Neben der Unterlassung dieser Behauptung, der das Gericht vorerst stattgab, forderte 'Brandts schöne Griechin' ('Bild') […] von der Zeitung eine prominent aufgemachte Gegendarstellung auf der Titelseite. Dazu wird es indes nicht kommen. Bei der Verhandlung am vergangenen Donnerstag zog Mathiopoulos […] ihren Antrag auf Anraten des Richters wieder zurück. Zuvor hatte der Anwalt der 'Berliner Zeitung', Christian Schertz, dem Gericht eine 15-seitige Gegenüberstellung von Mathiopoulos-Textstellen und den Originalquellen präsentiert, die bereits 1991 in der Zeitschrift 'Amerikastudien' erschienen war. […] Westerwelle-Beraterin Mathiopoulos will die Gegendarstellung nun zurückgenommen haben, weil 'das Gericht für mich klargestellt hat, dass der Bericht nicht den Vorwurf der Täuschung enthält'. Im Übrigen schreibe sie 'lieber ein neues Buch, statt mich mit der 'Berliner Zeitung' weiter zu ärgern'."


Christine Prußky, In der politischen Askese. Parteibücher sind in der Gelehrtenrepublik verpönt. Sorgfältig ummänteln Forscher mit Karrierewillen ihre parteipolitischen Präferenzen – bis die Politik sie ruft, DUZ, Nr. 15-16/2002 (16.08.2002), S. 12-13, hier S. 13

"So stelt sich die Frage, an welchem Punkt überhaupt ein Bekenntnis abzugeben wäre. Einen solchen Ansatz hat Dr. Margarita Mathiopoulos für sich offensichtlich gefunden. Die Honorarprofessorin an der Universität Potsdam gehört zu den wenigen, die sich engagieren ließen – in dem Fall von Guido Westerwelle (FDP). Für die Tätigkeit im Westerwelle-Corps trat die Direktorin des Potsdam Center für Transatlantic Security and Military Affairs zwar in die FDP ein, doch ist sie von wissenschaftlicher Reputation nicht unmittelbar abhängig. Mathiopoulos, die sich zu ihrem Engagement im Wahlkampf nicht äußern will, ist geschäftsführende Gesellschafterin der European Advisory Group und damit mehr Unternehmerin denn Forscherin. Mit der im Juli 2001 vollzogenen Firmengründung sprang Mathiopoulos, über deren Nominierung zur SPD-Parteisprecherin der damalige SPD-Chef Willi [sic] Brandt im März 1987 stürzte, in den Strom, der seit Mitte der 90er-Jahre in Deutschland in Fahrt kommt."


Christian Bommarius: Ein Erfolg wird besichtigt, Berliner Zeitung, 08.07.2002, S. 1

(Passage auch in Ders.: Alles muss raus. Der Scheidungskrieg Pflüger gegen Mathiopoulos pflastert den Boulevard. Er zeigt ein besonderes Verhältnis zu Diskretion und Würde, Berliner Zeitung, 09.10.2006, S. 3)

"Ihre stupende Begabung, Niederlagen einfach nicht zuzulassen, hat sie vermutlich spätestens auf der Universität gelernt. Zwar hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihr vorgehalten, sie habe die "Orientierung an der regulativen Idee der Wahrheit" aufgegeben, nachdem sie ihre Doktorarbeit ('Geschichte und Fortschritt im Denken Amerikas') in Teilen ohne Nachweis aus Standardwerken abgeschrieben habe. Doch wer will darin im Ernst schon eine Niederlage sehen? Gewiss nicht Margarita Mathiopoulos – ohne die Promotion wäre sie heute kaum Honorarprofessorin für Amerikanische Politik und Internationale Beziehungen an der Technischen Universität Braunschweig und ganz bestimmt nicht Geschäftsführende Direktorin des Forschungszentrums für Sicherheitspolitik in Potsdam. Na bitte."


Margarita Mathiopoulos: Liberale Ansichten über Deutschland. Warum ich heute in die Freie Demokratische Partei eintrete, Die Welt, 05.07.2002 (Digitalisat)

"Ich trete heute in die FDP ein. Dieser Entschluss ist über Jahre gereift. [...]
Vor 18 Jahren fragte mich Willy Brandt, ob ich Pressesprecherin der SPD werden wollte. Das Angebot ehrte mich – für einen der bedeutendsten deutschen Politiker des 20. Jahrhunderts arbeiten zu dürfen konnte und wollte ich nicht abschlagen. [...] Ich bat Brandt, seine Wahl zu überdenken: Ich war verlobt mit einem CDU-Mann, tätig bei einem amerikanischen Unternehmen (IBM), überzeugt vom Amerikanischen Traum und der Atlantischen Allianz, ehemalige Stipendiatin der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung – und parteilos. 'Kein Stallgeruch.' Brandt wies die Einwände zurück: Die Partei brauche frischen Wind, und im Übrigen habe er erfolgreich und gerne als Kanzler eine sozialliberale Koalition geführt; Berührungsängste mit der FDP hätte er nicht. An meiner Loyalität zu ihm habe er keinen Zweifel, der Rest werde sich finden. Aber dazu kam es nicht: Die SPD nutzte die Personalie, um die von einigen Partei-'Freunden' seit einiger Zeit propagierte Lösung BMW ('Brandt muss weg') in die Wirklichkeit umzusetzen. Er trat zurück, und ich widmete mich wieder meiner wirtschaftlichen und akademischen Laufbahn. Ich blieb parteipolitisch ungebunden."


Zwei Gutachten und eine Laudatio bzgl. Ernennung zur Honorarprofessorin für US-Außenpolitik und Internationale Sicherheit an der Universität Potsdam 2002

  • Prof. Dr. Manfred Görtemaker: Laudatio zur Verleihung einer Honoraprofessur der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam an Frau Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos, 14.02.2002
"Unter ihren Büchern möchte ich vor allem vier hervorheben. Zunächst ihre Dissertation Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa (1987). Die Arbeit zur Ideen- und Geistesgeschichte ist von den Rezensenten hoch gelobt worden. Das Vorwort zur deutschen Ausgabe stammt aus der Feder von Karl Dietrich Bracher. Die englische Ausgabe History and Progress – In Search of the European and American Mind (1989) ist mit einem Vorwort von Gordon A. Craig versehen." (S. 3)

"Ihre Dissertation "Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa 1987 [sic]" ist von der Fachwelt sehr positiv aufgenommen worden. Eine amerikanische Übersetzung erschien 1989 mit einem Vorwort von Gordon A. Craig.
In ihrer Dissertation hat Frau Mathiopoulos den Versuch unternommen, die Wurzeln des alteuropäischen und des amerikanischen Fortschrittsgedankens in ideengeschichtlicher Perspektive nachzuzeichnen. Dabei verstand es die Autorin in beeindruckender Weise, eine weit gespannte Analyse vorzulegen, die sich ausgehend vom antiken Gesellschaftsideal bis zum rationalen Pragmatismus der europäischen Aufklärung erstreckt." (S. [1])
"[...] Zusammenfassend ist festzustellen, daß Frau Mathiopoulos hinsichtlich ihres wissenschaftlichen Werkes, ihrer Erfahrung in der akademischen Lehre und ihrer Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Politik in besonderer Weise geeignet ist, eine Honorarprofessur an der Universität Potsdam zu bekleiden." (S. 3)

"Dass Frau Mathiopoulos in wissenschaftlichen Kreisen hohes Ansehen genießt, sieht man auch daran, dass ihre Studie über 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts' mit einem Geleitwort von Karl Dietrich Bracher versehen ist und die aktualisierte Auflage in englischer Sprache von 1989 mit einem Vorwort von Gordon Craig. In dieser Studie gelingt Frau Mathiopoulos eine herausragende vergleichende Darstellung der Ideenkreise in Amerika und Europa. Entsprechend hat dieser Ideenvergleich auf beiden Seiten des Atlantiks herausragende wissenschaftliche Resonanz in der Fachwelt erfahren. Die amerikanische Fortschrittsidee wird mit den Erscheinungen wie Protestantismus, Kapitalismus, Individualismus wie auch Empirismus und Pragmatismus verknüpft und gleichzeitig auf einem hohen methodischen Reflektionsgrad vorgestellt." (S. 2 f.)
Bibliografische Anmerkung: Margarita Mathiopoulos: Amerika darf nicht schwach sein, in: Volker Kronenberg/Jana Puglierin/Patrick Keller (Hrsg.): Außenpolitik und Staatsräson. Festschrift für Christian Hacke zum 65. Geburtstag, Baden-Baden: Nomos 2008, S. 200-203 (Inhaltsverzeichnis)

(Anmerkung: Die im Juni 2011 auf der Website von Margarita Mathiopoulos als PDF-Dateien online gestellten Scanns der Gutachten von 1994/95 und 2002 wurden im Dezember 2011 dort wieder entfernt, kurz nachdem das Votum des Promotionsausschusses der Bonner Philosophischen Fakultät am 19.12.2011 bekannt geworden war. Diese Maßnahme entsprach auch der Forderung einiger der damaligen Gutachter, vgl. [1].)

1999Bearbeiten

Marco Finetti/Armin Himmelrath: Der Sündenfall. Betrug und Fälschung in der deutschen Wissenschaft, Stuttgart u.a. 1999 (Inhaltsverzeichnis)

"[...] Wer nun freilich dachte, Elisabeth Ströker werde wegen des offensichtlichen Plagiats ihren Doktortitel und darüber auch ihre Professur verlieren, hatte die Rechnung ohne die Expertenkommission der Bonner Universität gemacht. Denn diese beließ der Philosophin ihre akademischen Weihen, und nur auf sie kam es an. Dazu bedienten sich die Gutachter gleich mehrerer Kunstgriffe, die auf den ersten Blick Ströker entlasteten, tatsächlich aber eher dazu angetan waren, die Umstände ihrer Promotion und damit auch die akademischen Standards in der deutschen Wissenschaft der fünfziger Jahre in ein schales Licht zu tauchen:[...]" (S. 97)

"Der Rest ist schnell erzählt: Mit dem Bonner Votum im Rücken nahm Elisabeth Ströker ihre Lehrveranstaltungen wieder auf und erhielt nun auch Unterstützung durch ihre Fachkollegen an den anderen deutschen Hochschulen, die sich bislang in der Mehrzahl aus der Affäre herausgehalten hatten. Nicht zuletzt unter diesem Eindruck gab nun auch die Universität zu Köln ihre Versuche auf, die Professorin zur Aufgabe ihres Postens zu bewegen. Und während Ströker so ihre Arbeit noch mehrere Jahre fortsetzen konnte, erlebte ihre Kontrahentin Marion Soreth einige Monate voller persönlicher Schmähungen, bevor sie in den Ruhestand trat. Das Blatt hatte sich endgültig gegen die Angreiferin gewendet.

Auch gut sieben Jahre und mehrere spektakuläre Betrugsfälle später verdient der Fall Ströker noch immer eine ausführliche Würdigung, und zwar nicht nur wegen seiner persönlichen Dimensionen. Geradezu zum Lehrstück machte ihn das Verhalten der Gutachterkommission der Universität Bonn. Wie sie die eigentlich entscheidende Frage, ob nämlich Elisabeth Ströker sich des Plagiats schuldig gemacht hatte oder nicht, überging und stattdessen nach Rechtfertigungsgründen suchte, warum ihr auch bei einem eindeutigen Plagiat der Doktortitel nicht aberkannt werden müsse – so viel an akademischer Chuzpe nötigt dem Betrachter beinahe schon wieder Respekt ab. Bei nüchternerer Betrachtung ist er freilich eher geneigt, dem Wissenschaftssoziologen Peter Weingart zuzustimmen: Für ihn ist der 'Fall Ströker' ein Musterbeispiel dafür, 'wie höchst konservativ und unwillig sich die deutsche Wissenschaft mit Betrug und Fälschung in ihren Reihen auseinandersetzt'[EN 125]." (S. 100)

"[EN 125] Interview mf mit Prof. Dr. Peter Weingart am 04.07.1996 in Bielefeld." (S. 238)

(Anmerkung: Zum Wortlaut des Bonner Kommissionsberichts im Fall Ströker 1990/91 siehe auch das Dokument Bericht Ströker-Kommission 1991)

1997Bearbeiten

Alexander Schmidt: Reisen in die Moderne. Der Amerika-Diskurs des deutschen Bürgertums vor dem Ersten Weltkrieg im europäischen Vergleich (zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss., 1994 u.d.T.: Die Wilhelminer in Amerika), Berlin 1997

"So tendiert eine zunächst vielversprechende Studie von M. Henningsen: Der Fall Amerika. Zur Sozial- und Bewußtseinsgeschichte einer Verdrängung. Das Amerika der Europäer. München 1971 ebenfalls dazu, Differenzierungen einzuebnen zugunsten der pauschalen Grundthese, die Europäer hätten in Amerika 'die Moderne verdrängt' und damit die amerikanische Realität nicht 'objektiv' wahrgenommen bzw. bewußt negativ karikiert. Dabei wird der Anspruch einer Sozialgeschichte kaum eingelöst, vielmehr handelt es sich um traditionelle Ideengeschichte ohne Anbindung an soziale oder mentale Realitäten, was auch daran deutlich wird, daß durchweg nur führende europäische Intellektuelle analysiert werden. Wie stark diese Reduktionen auch in neuesten Studien fortwirken, zeigt die oberflächliche und kritiklose Übernahme der Thesen von Henningsen bei M. Mathiopoulos: Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa, Paderborn 1987, 149-169." (S. 31, Fn. 60)

(Anmerkung: Siehe auch Kategorie:Henningsen 1974)


Dieter Simon: Die Wahrheit muß erfunden werden. Wozu die Wissenschaft dient: Über glitschige Kröten, dramatisierte Kurven und andere Geburtshelfer des Fortschritts, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.1997, Nr. 294, S. 40

"[...] Jedenfalls im Reich des wissenschaftlichen Betrugs haben die Frauen inzwischen die Gleichberechtigung erkämpft. Daß es auch ganz ohne Männerbeteiligung geht, hat die inzwischen emeritierte Kölner Philosophieprofessorin Elisabeth Ströker bewiesen. Ihr Fall, der unspektakuläre Casus einer ordentlichen professoralen Laufbahn, die durch beharrliches und unausgewiesenes Kopieren fremder Texte erschrieben wurde – und zwar von den ersten akademischen Versuchen bis zu den letzten Qualifikationsarbeiten –, ist allerdings nicht nur deshalb, sondern auch aus drei anderen Gründen lehrreich.

Erstens: Er ist ein Fall aus den Geisteswissenschaften, wo Fälschungen in der Regel wegen der geringen ökonomischen Bedeutsamkeit der Produkte einen harmlosen Anstrich haben. Da die in diesem Wissenssektor gehandelten Gedanken meist nicht welterschütternder Art sind, erregen derlei Vorkommnisse nur selten öffentliche Aufmerksamkeit und bleiben regelmäßig auf der Ebene des innerakademischen Klatsches.

Zweitens: Der Fall dokumentiert die prinzipiellen Schwierigkeiten, einen Ideendieb zu überführen und zu bestrafen. Aufdeckung und Nachweis sind schon an sich nicht einfach, weil die Vermeidung von Eindeutigkeit zum Fälschungsgeschäft gehört. Verschärft wird die Lage aber durch die ungebrochene Bereitschaft der deutschen Universität, Skandale in der bekannten Mischung aus Feigheit und Korpsgeist und mit Hilfe des Stichworts, die Institution sei jetzt vor Schaden zu bewahren, unter den Teppich zu kehren. Im Fall Ströker hat sich die Kommission der Philosophischen Fakultät der Bonner Universität zu erstaunlichen exegetischen Kunststücken hergegeben, um keine Konsequenzen ziehen zu müssen. Schlichtes Abpinseln wird da zu einer 'gelegentlich irritierenden sprachlichen Nähe des Textes der Dissertation zu fremden Texten', und die – wie es nicht weniger schön heißt – 'aus heutiger Sicht bedenklich vielen Anleihen bei fremden Texten' werden durch die nette Erfindung einer anderen 'Zitierkultur' (deren wesentliches Merkmal das Nichtzitieren ist) verklärt.

Drittens: Jene Lügen haben die längsten Beine, die sich nicht in die große Öffentlichkeit drängen, sondern im Windschatten der 'Normalwissenschaft' dahinstapfen. Frau Ströker war eine der 5000 Inhaber eines Lehrstuhls einer philosophischen Fakultät in der Bundesrepublik. Nicht untätig – immerhin war sie sogar für eine Amtsperiode Dekanin –, aber unauffällig. Sie dürfte ihre Professur ordentlich versorgt haben. Und hat auch ordentlich gelebt, auf Kosten des Steuerzahlers. Natürlich geht es auch heute bei der Forschung noch häufig um Neugierde darauf, was diese Welt im Innersten zusammenhält, und um das Glück der Erkenntnis. Aber so wie viele Forschungsprozesse in Ablauf und Substanz sich kaum anders darstellen denn als Serie ermüdender bis stumpfsinniger Reihenuntersuchungen bei immer wieder erneuertem Arrangement bekannter Sachverhalte und Fakten, so ist auch das Motiv, sich auf die Forschung zu werfen, nicht immer von hochfliegenden Ideen und altruistischen Absichten durchwoben, sondern einfach eine Folge des legitimen Wunsches, eine ordentliche Karriere zu machen, die ihre Frau beziehungsweise ihren Mann in Maßen und mit etwas Glück: gut ernährt. [...]"

(Anmerkung: Zum Fall Ströker 1990/91 siehe auch die Dokumente Bericht Ströker-Kommission 1991 und Finetti/Himmelrath 1999.)


Margarita Mathiopoulos: Gegendarstellung, Süddeutsche Zeitung, 28.06.1997, S. 2

"Gegendarstellung
zum Artikel 'Margarita Mathiopoulos – Der zweite harte Sturz' in der Süddeutschen Zeitung vom 30. Mai 1997, Seite 3:

1. In dem Artikel wird sinngemäß behauptet, vor meiner offiziellen Ernennung zur Honorarprofessorin an der Technischen Universität Braunschweig seien bereits Visitenkarten mit diesem Titel gedruckt gewesen.
Diese Behauptung ist falsch.

2. Falsch ist auch die Behauptung, ich hätte ein Radio-Interview unterbrochen, weil ich darauf bestanden habe, mit Titel angeredet zu werden.

3. In dem Artikel wird weiter behauptet, Mitarbeiter der Norddeutschen Landesbank hätten mich im Büro mit Frau Professor anreden müssen.
Auch diese Behauptung ist falsch.

4. In dem Artikel wird behauptet, die Staatskanzlei in Hannover habe zum Verhältnis zwischen Ministerpräsident Schröder und mir lediglich erklärt: 'Man kannte sich.'
Dazu stelle ich fest: Ministerpräsident Schröder hat erklärt, daß sich an dem guten Verhältnis zu mir nichts geändert habe.

Hannover, den 9. Juni 1997
gez. Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos"

1995Bearbeiten

(Briefe & Meinungen:) Aber bitte mit Titel ..., pr magazin 12/95, S. 6

"Nach dem Abdruck der, zugegebenermaßen auf dem hohen Niveau, das in Harry’s Bar herrscht, kommentierten Stellungnahme von Frau Professor Dr. Margarita Mathiopoulos in der November-Ausgabe des prmagazins erreichte uns nun die Widerrufsklage des von Frau Professor Dr. Margarita Mathiopoulos beauftragten Anwalts.
Unabhängig davon, daß von dem Sack an Vorwürfen, den Frau Professor Dr. Margarita Mathiopoulos mir telefonisch um die Ohren gehauen hat (rassistisch, frauenfeindlich, in ganz schlechtem Stil geschrieben, ohne Namensnennung – das macht man nicht, und völlig falsch, weshalb sie auch sofort zu erkennen sei) kaum etwas übriggeblieben ist, haben wir keine Lust, wegen des 'Wahrheitsgehaltes' der Behauptung, daß Frau Professor Dr. Margarita Mathiopoulos wert auf ihre Titelansprache lege, einen Rechtsstreit vom Zaun zu brechen.
Und dann gibt es noch etwas: Das prmagazin stellt den Quellenschutz, der die Pressefreiheit erst möglich macht, als Grundwert vor die Befriedigung aus juristischen Auseinandersetzungen. Wir folgen deshalb dem Verlangen des Anwaltes von Bankdirektorin Professor Dr. Margarita Mathiopoulos und drucken im folgenden den Widerruf ab.
roki"

Widerruf, prmagazin 12/95, S. 6

"In einem Beitrag des 'prmagazins', Ausgabe 7/1995, haben wir unter der Überschrift 'Barbie macht PR' behauptet, Frau Professor Margarita Mathiopoulos habe ein Interview mit dem NDR unterbrochen, weil sie mit dem Titel habe angeredet werden wollen.
Diese Behauptung ist falsch.
Wir widerrufen sie hiermit.
Verlag Rommerskirchen GmbH & Co. KG, Geschäftsführung"

(Siehe auch:

  • Harry's Bar. Barbie macht PR, prmagazin 7/95, S. 70
  • Streitpunkt: NordLB: Ärger bei Harry, prmagazin 10/95, S. 22-23 (Schreiben des Rechtsanwalts von MM und Antwort des Magazins)
  • Christian Handke: Auftritte: Frau Professor ganz privat. Professor Dr. Margarita Mathiopoulos auf einer Buchvorstellung, prmagazin 9/96, S. 17
  • Klaus Furchner: Rezension: Zitate braucht das Land. Margarita Mathiopoulos und die "Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde", prmagazin 12/97, S. 28-29 )
  • OLG Köln vom 05.10.1999, 15 U 98/99

Nicht ohne meinen Doktor-Titel, FOCUS, 27.11.1995, Nr. 48, S. 128

"Margarita Mathiopoulos, 38,[1] stolze Honorarprofessorin und ehemalige Willy Brandt-Bekannte, ärgert sich über eine Satire. Das Fachblatt 'pr magazin' hatte sich über eine gewisse 'Alexa Lorbas' mokiert, die ein Interview mit dem NDR abgebrochen habe, 'weil sie mit Titel angeredet werden möchte'. Ebenfalls bespöttelt: der 'Bundestagsabgeordnete Fried. Bert', 'so ambitioniert, daß der Ehrgeiz schon mal Herr des einen oder andern Gesichtsmuskels wird'. Dr. phil. Mathiopoulos, verheiratet mit dem ehemaligen Weizsäcker-Sprecher Friedbert Pflüger, hat nun das Blatt verklagt. In der satirischen Wirklichkeit weigern sich NDR-Redakteure übrigens beharrlich, die Vielbeschäftigte mit Frau Doktor anzureden: 'Das gibt's bei uns nicht.'"


Margarita Mathiopoulos: Was ich denke, München 1995 (124 S.)

(Anmerkung: Der im Juni 1995 in der Reihe "querdenken!" im Wilhelm Goldmann Verlag erschienene, aus fünf Kapiteln bestehende Band wurde weitgehend aus früheren Veröffentlichungen der Autorin kompiliert, darunter auch der Druckfassung ihrer Dissertation. Bei den (ungekennzeichneten) Übernahmen aus dieser in die beiden Anfangskapitel

1. Die Entbindung der Demokratie aus dem Geist der Freiheit. Fortschritt und Verfall als Grundmotive politischen Denkens von der Antike bis zur Gegenwart (S. 5-78)
2. Die Entbindung der Demokratie aus dem Geist der Revolution. Über die Gründe für das Gelingen der Amerikanischen und das Scheitern der Französischen Revolution (S. 79-91),

handelt es sich teilweise auch um Textstellen, die von VroniPlag als Plagiate identifiziert wurden. Für eine Dokumentation der "Konkordanzen" sowie der Plagiatsfragmente und -quellen siehe: Plagiierte Stellen MM87 in MM95.)


Honorierte Direktorin, DUZ, Nr. 9/1995 (05.05.1995), S. 12

"Dr. Margarita Mathiopoulus [sic!] kann sich freuen. Der Antrag des Fachbereichs für Philosophie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an den Präsidenten der TU Braunschweig auf Verleihung einer Honorarprofessur an die Publizistin und Direktorin der Norddeutschen Landesbank ist positiv aufgenommen worden. Alle Gutachter bestätigten der engagierten und bei den Studierenden beliebten Dozentin 'professorengleiche' Kompetenz in Forschung und Lehre. Mit Mathiopoulos bekommt die TU Braunschweig in den 250 Jahren ihrer Geschichte zum erstenmal eine Honorarprofessorin und dazu eine sowohl internationale erfahrene wie auch in Wissenschaft und Wirtschaft verdiente Persönlichkeit, so der TU Präsident Professor Rebe. Mathiopoulos studierte in Bonn, in Harvard und an der Sorbonne. Sie wird amerikanische Außenpolitik und internationale Beziehungen lehren."


Drei Gutachten und eine Presseinformation bzgl. Ernennung zur Honorarprofessorin für US-Außenpolitik und Internationale Politik an der Technischen Universität Braunschweig:

"Der Senat der Technischen Universität Braunschweig hat zu dem Antrag des Fachbereichs für Philosophie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an den Präsidenten der TU auf Verleihung einer Honorarprofessur an Frau Dr. Margarita Mathiopoulos positiv Stellung genommen. Der Zeithistorikerin und Publizistin war in allen Gutachten eine professorengleiche Qualifikation in Forschung und Lehre zuerkannt worden.
[...] In fünf politikwissenschaftlichen bzw. zeithistorischen Monographien und zahlreichen Aufsätzen in deutschsparchigen [sic] und internationalen Fachzeitschriften erwies sie ihre hohe Qualifikation zu Themen der amerikanischen Außenpolitik, der U.S.-Präsidentschaft, der deutsch-amerikanischen Beziehungen sowie der politischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Die amerikanische Ausgabe ihrer Dissertation 'Amerika: Das Experimenmt [sic] des Fortschriitts. [sic] Ein Vergleich des politischen Denkens in Europa und in den U.S.A.' [sic] erschien mit einem Vorwort des renommierten englischen Historikers und Deutschlandkenners Gordon A. Craig.
[...] Der Präsident der TU Braunschweig, Prof. Dr. Bernd Rebe, äußerte hierzu:
'Ich freue mich sehr, daß wir mit Margarita Mathiopoulos eine sowohl international erfahrene wie in Wissenschaft und Wirtschaft verdiente Frau für die TU Braunschweig gewonnen haben, die die erste Honorarprofessorin in der 250jährigen Geschichte unserer Hochschule ist.'"

"In Anbetracht ihres noch jungen Lebensalters (Jg. 1957)[1] hat Frau Dr. Mathiopoulos bereits ein umfangreiches und originelles politikwissenschaftliches OEuvre vorgelegt, das vor allem in den Bereichen Amerikaforschung (besonders die 1987 in überarbeiteter Form erschienene Dissertation), Transformationsforschung und deutsch- bzw. europäisch-amerikanische Beziehungen höchst anregend und weiterführend ist. Die wissenschaftliche Analyse, die von vor allem außerwissenschaftlicher Seite aus interessierter Spekulation heraus zu Unrecht und ohne Grundlage angegriffen worden ist, ist in jeder Hinsicht fundiert [...] Ich stimme mit der Autorin in manchen Fragen nicht überein, aber die Art und Weise, wie sie ihre Hypothesen begründet und ausbreitet, lassen nicht den geringsten Zweifel an ihrem hohen Rang als einer Sozialwissenschaftlerin und Zeithistorikerin, von der noch viel zu erwarten ist." (S. 2)
"Sollte ich eine Empfehlung aussprechen, möchte ich dem Senat der TU nachdrücklich empfehlen, Frau Dr. Mathiopoulos in den Kreis der Lehrenden aufzunehmen oder, um es salopp auszudrücken: Die TU hat einen 'großen Fisch' an der Angel – sie sollte ihn nicht vorbeiziehen lassen." (S. 3)

"Große Anerkennung hat sich Frau Mathiopoulos in der science community vor allem mit ihren stringenten Arbeiten zum amerikanischen politischen System, seiner politischen Kultur und seinen Außenbeziehungen erworben. Angefangen von der Dissertation – die in ihrer Urfassung drei Zitiermängel [sic!] aufweist, die vom Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' vorschnell in einer Phase, in der Frau Mathiopoulos in das Rampenlicht der politischen Öffentlichkeit der Bundesrepublik getreten war, mit dem Verdikt 'Plagiat' versehen wurden – über zahlreiche weitere Publikationen hat sie die zentralen Aspekte dieses Themenkomplexes versiert und fundiert ausgeleuchtet.
In der Studie über 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts' mit einem Geleitwort von Karl-Dietrich Bracher (die in aktualisierter Form 1989 in englischer Sprache mit einem Vorwort von Gordon Craig erschienen ist) ist sie in einer umfassenden vergleichenden Darstellung den Zusammenhängen und den Unterschieden zwischen den beiden Ideenkreisen Amerika und Europa nachgegangen. Dieser Versuch des Ideenvergleichs zwischen europäischen und amerikanischen Entwicklungen hat nachhaltige Resonanz in Fachkreisen gefunden.
Gerade in dieser Studie – aber auch in einer Vielzahl von anderen Beiträgen – wird auch die historisch-philosophische bzw. politisch-philosophische Fundiertheit der Autorin sehr deutlich. Die grundlegenden Bezüge etwa der amerikanischen Fortschrittsidee zu den grundsätzlichen Entwicklungsformen des Protestantismus, des Kapitalismus und des Individualismus, aber auch des Szientismus, des Empirismus und des Pragmatismus erfordern bei der Analyse nicht nur fundiertes historisches Wissen, sondern auch eine hohe methodische Reflexionsfähigkeit. Ohne Zweifel sind die Arbeiten von Frau Mathiopoulos durch eine solche gekennzeichnet." (S. 2 f.)
Bibliografische Anmerkung: Margarita Mathiopoulos: Über die Zerbrechlichkeit der Demokratie, in: Antje Blöcker/Ulrich Heyder/Birgit Mangels-Voegt (Hrsg.): Die Reformfähigkeit von Staat und Gesellschaft. Festschrift für Klaus Lompe zum 60. Geburtstag, Frankfurt am Main [u.a.]: Lang 1997, S. 41-52 (Inhaltsverzeichnis)

  • Gutachten von Prof. Dr. Gerhard W. Wittkämper (Universität Münster), 05.08.1994
"Das Geschichtsverständnis, auf das sie zu Recht so viel Wert legt, ist jenseits der marxistischen wie hegelianischen Interpretationstheoreme einzuordnen. Am besten läßt sich ihr Plädoyer für einen liberal-konservativen Umgang mit der Historie von der Rankeschen Position her verstehen: Geschichte ist demzufolge wichtig und substantiell für menschliches (politisches) Handeln, denn alles, was Geschichte ist und war, präokkupiert in der einen oder anderen Weise auch die Handlungen der jeweiligen Gegenwart. Insofern hat es für Mathiopoulos zu Recht keinen Sinn, die Historizität von politischen wie kulturellen Erscheinungsformen zu verdrängen oder sie gar zu negieren, denn was Geschichte war, das 'sind wir, d.h. wir verdrängen oder verleugnen in diesem Fall nur uns selbst' (Das Experiment des Fortschritts, 1987: 38).
Dieses quasi reflexive wie ebenso pragmatisch-normative Verständnis von Geschichte bildet den Hintergrund ihrer sehr breit und auf eine imponierende Weise angelegte Dissertation zum Fortschrittsgedanken in der us-amerikanischen Dimension gegenüber der altkontinentalen europäischen Tradition. Methodologisch wie hermeneutisch figurieren ihre Überlegungen kontextuell zum Werk ihres Lehrers Karl Dietrich Bracher, der hierfür (im ideengeschichtlichen Bereich) gleichsam Pate stand – ebenso wie Karl Popper (für die Wissenschaftstheorie) und Hannah Arendt (für den normativen Bezug auf die griechische Antike). [...]
Die vor allem noch in der Dissertation von 1987 zu konstatierende starke Abhängigkeit von ihrem Mentor Bracher führt allerdings auch zu manch Überzeichungen, die Mathiopoulos allzu schnell nach Vorgabe des Meisters in der Art und Weise eines großen Blitzgangs durch die Ideengeschichte quasi im Etikettenstil an den Tag legt. Hier gerät ihre Argumentationsposition oft unwillkürlich in die Nähe postmoderner Diskursanzeigen. Gerade weil sie versucht, alles zu nominieren, wird die Struktur tendenziell als Megadiskurs zur Unstruktur, ergibt sich somit hier ein Effekt, den man im Grunde bei den Poststrukturalisten hat: die angezeigte Struktur wirkt wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, aber aussagekräftige Charakteristika nur bedingt herausläßt." (S. 1 f.)
"Unzweideutig steht im Zentrum der Arbeiten von Mathiopoulos die us-amerikanische Geschichte und ihre Konnotationen für die internationale Politik des 20. Jahrhunderts. Schon durch ihre fulminante Dissertation in diesem Bereich als Expertin ausgewiesen, hat sie diese Themenstellung in immer wieder neuen Variationen während ihrer bisherigen Lehrtätigkeit [...] ausgebaut und verfeinert." (S. 3 f.)

(Anmerkung 1: Über eine weitere gutachterliche Stellungnahme von Prof. Dr. Gert Krell (Universität Frankfurt am Main) berichtete dieser am 14.09.2011 in der FAZ sowie auf seiner Website (siehe auch diese Dokumentation: September 2011): "1994 war ich um ein Gutachten zu einer Bewerbung von Frau Mathiopoulos auf eine Honorarprofessur an der TU Braunschweig gebeten worden und bei meinen Recherchen auf Plagiate in ihrer Bonner Dissertation von 1986 gestoßen. Ich habe damals eine kleine Dokumentation darüber an meinen Auftraggeber in der zuständigen Kommission geschickt und aus grundsätzlichen Erwägungen von einer Ernennung abgeraten.")

(Anmerkung 2: Die im Juni 2011 auf der Website von Margarita Mathiopoulos als PDF-Dateien online gestellten Scans der Gutachten von 1994/95 und 2002 wurden im Dezember 2011 dort wieder entfernt, kurz nachdem das Votum des Promotionsausschusses der Bonner Philosophischen Fakultät am 19.12.2011 bekannt geworden war. Diese Maßnahme entsprach auch der Forderung einiger der damaligen Gutachter, vgl. [2].)


Neidfaktor Titel, FOCUS, 09.01.1995, Nr. 2, S. 54

"Wird sie's oder wird sie's nicht? In diesen Tagen entscheidet der Senat der Technischen Universität Braunschweig über die Berufung von Margarita Mathiopoulos, 37[1], zur Ehrenprofessorin. Neider unken, die smarte Wissenschaftlerin (Fachbereich Amerikanische Außenpolitik) und frühere Brandt-Bekannte solle den Titel nur erhalten, weil sie in ihrer Funktion als Bankdirektorin und Sprecherin der Nord LB Sponsorengelder für das 250jährige TU-Jubiläum 1995 versprochen habe."

1993Bearbeiten

Margarita Mathiopoulos: Das Ende der Bonner Republik. Beobachtungen einer Europäerin, Stuttgart 1993, S. 340 f.

"Der Sexjournalismus hat Hochkonjunktur. Willy Brandt wird mit verschiedenen Frauen abgebildet, die angeblich 'sein Schicksal' sind. Neben seinen Ehefrauen erscheint ein Foto von mir. Suggeriert werden soll, daß es irgendeine intime Beziehung zwischen dem SPD-Vorsitzenden und seiner Pressesprecherin gibt. Natürlich spricht Bild das nicht explizit aus, so daß ich nicht gerichtlich vorgehen kann. Friedbert Pflüger und ich entschließen uns, 'Brandts schöne Griechin' – wer immer das auch sein mag – zu ignorieren. Daß wir dennoch verletzt und angewidert sind, bleibt nicht aus.

Die 'Ereignisse' bieten auch in Zukunft eine willkommene Grundlage für Berichterstattung unter der Gürtellinie. 1991 werde ich in der Bunten als 'Ex-Muse' Brandts bezeichnet. Das gegen Burda angestrengte Gerichtsverfahren endet zu meinen Gunsten mit einem 'Bedauern' und der Begleichung der Gerichts- und Anwaltskosten durch den beklagten Verlag. 1989 setzt ein junger antiamerikanischer USA-Forscher die Behauptung in die Welt, daß Teile meiner Doktorarbeit abgeschrieben seien. Obwohl die Philosophische Fakultät der Universität Bonn den Vorwurf der Täuschung nach eingehender Prüfung zurückweist, hält dies eine seriöse Zeitung wie die FAZ nicht davon ab, 1992 den Vorwurf zu wiederholen. Die Zeitung muß eine Gegendarstellung drucken. Aber wer liest das schon?! Selbst hohe Schmerzensgeldsummen – in Deutschland sind auch geringe nicht üblich – könnten den Rufmord in diesen Fällen nicht aufwiegen."


Margarita Mathiopoulos: Gegendarstellung. Amerikastudien (Amst), Jg. 38.3 (1993), S. 513

"Gegendarstellung

In der Rezension meiner Dissertation 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts' in 'Amerikastudien' Heft 4/1991, Seite 567 ff. führt der Autor, Kurt L. Shell, aus, die Vorwürfe des Plagiats hätten dem Buch und seiner Autorin negative Aufmerksamkeit verschafft.

Dazu stelle ich fest:
Die Vorwürfe des Plagiats sind von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn überprüft und für nicht bestätigt gefunden worden.

Bonn, den 25. März 1993
(Dr. Margarita Mathiopoulos)

Anmerkung der Redaktion:

Wie das folgende, vollständige Zitat aus der Rezension von Kurt L. Shell zeigt, wird der Vorwurf des Plagiats nicht von ihm erhoben.

'Neben diesen grundlegenden Schwächen erscheinen mir die Vorwürfe des Plagiats, die dem Buch und seiner Autorin negative Aufmerksamkeit verschafft haben, eher nebensächlich. Einige Passagen 'verbatim' (und ohne Quellenangabe) aus den Werken andernorts zitierter Autoren abzuschreiben, ist unzulässig, aber kommt eher ersten läßlichen Sünden gleich. Die zentralen Schwächen der Arbeit liegen, wie ich versucht habe zu zeigen, anderenorts. Es ist zu bedauern, daß der hervorragende Historiker Bracher diese Publikation für würdig befand, ihr ein Geleitwort zu widmen.' Amst 36.4 (1991): 569.

Im übrigen verweisen wir auf die in dem gleichen Heft Amst 36.4 (1991) erschienene Dokumentation 'Die Rezeption deutscher Amerikanisten durch Margarita Mathiopoulos' (S. 545-59).

Für die Herausgeber
Alfred Hornung"

1992Bearbeiten

Margarita Mathiopoulos: Gegendarstellung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.1992, Nr. 293, S. 32

"Gegendarstellung
In dem Artikel 'Stolz und Vorurteil' von Patrick Bahners in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Nr. 289 vom 12. Dezember 1992, Seite 28, wird behauptet, meine 'akademische Karriere' habe frühzeitig geendet durch den Nachweis, daß meine Doktorarbeit in Teilen ohne Nachweis aus Standardwerken abgeschrieben sei.
Diese Behauptung ist falsch.
Richtig ist, daß ich die Standardwerke, an die ich mich in Teilen meiner Arbeit angelehnt habe, jeweils vielfach zitiert habe. Der bereits 1989 erhobene Vorwurf der Täuschung ist von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn überprüft und für nicht bestätigt gefunden worden.
Meine 1988 aufgenommene Lehrtätigkeit an Hochschulen dauert an.
Bonn, den 14. Dezember 1992
Dr. Margarita Mathiopoulos"


Patrick Bahners: Stolz und Vorurteil. Margarita Mathiopoulos gratuliert Helmut Kohl, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.1992, Nr. 289, S. 28

"Der Ruhm im Medienzeitalter dauert gerade nicht die Warholschen fünfzehn Minuten, sondern ewig, weil er ein Selbstverstärker ist, der gegen Widerlegung durch Tatsachen immun scheint. Im Falle von Frau Mathiopoulos ist eine solche Tatsache das frühzeitige Ende ihrer akademischen Karriere durch den Nachweis, daß ihre Doktorarbeit in Teilen ohne Nachweis aus Standardwerken abgeschrieben ist."


Georg Denzler: Mit fremden Federn geschmückt. Geistiger Diebstahl: Zur Geschichte des Plagiats, Süddeutsche Zeitung, 18.01.1992

"Plagiatsprozesse sind selten, wenn es sich um Literatur handelt, häufiger sind sie in der bildenden Kunst und am zahlreichsten im Bereich der Musik, obwohl hier mehr von Fälschungen die Rede ist. Vorwürfe oder Prozesse wegen Plagiats in wissenschaftlichen Abhandlungen sind allein schon deshalb eine Seltenheit, weil die Vergehen nicht leicht zu entdecken sind. Dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Hohenzollern wurde 1973 der Doktortitel aberkannt, weil seine Dissertation 'Die Reichsgründung im Spiegel neutraler Pressestimmen' von Plagiaten nur so strotzt. Vor wenigen Jahren scheiterte die Ernennung von Margerita [sic] Mathiopoulos zur SPD-Vorstandsprecherin, weil bekannt geworden war, daß ihre Doktorarbeit zum Thema 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts' zahlreiche Plagiate enthält. Derselbe Vorwurf wird dem Buch 'Eunuchen für das Himmelreich' von Uta Ranke-Heinemann gemacht."

(Anmerkung: Die hier – wie später sinngemäß auch von Christine Richard: Kunst und Klau, Basler Zeitung, 25.02.2011, S. 41 – getroffene Aussage zu Margarita Mathiopoulos scheint mindestens einer unzureichenden Recherche geschuldet zu sein: Als ihre von Willy Brandt initiierte Berufung im März 1987 scheiterte, lag die wenige Monate zuvor eingereichte Dissertation noch nicht im Druck vor und dürfte ihr Inhalt nur einem sehr kleinen Personenkreis überhaupt bekannt gewesen sein. Erste Plagiatsvorwürfe wurden 1989 öffentlich – siehe dort.)

1991Bearbeiten

(N.N.:) Die Rezeption deutscher Amerikanisten durch Margarita Mathiopoulos, Amerikastudien, Jg. 36.4 (1991), S. 545-559

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Visualisierung der Plagiatsfunde aus den Amerikastudien 1991

(Anmerkung: Es handelt sich um eine Dokumentation mit synoptischer Darstellung von Textübernahmen aus

Für diese Texte sowie Levine (1984) und Guggisberg (1979) sind zudem Seitenzahlen genannt, auf denen sich weitere Übernahmen finden lassen. Für eine Gesamtliste siehe Amerikastudien.)


Kurt L. Shell: (Rezension), Amerikastudien, Jg. 36.4 (1991), S. 567-569

"[...] in ihrem Eifer, dem deutschen Leser ein besseres Verständnis für die Besonderheiten der Vereinigten Staaten – und vor allem ihre Vorzüge – zu vermitteln, hat sie sich dazu verführen lassen, mit einem groben Pinsel die Geschichte und Kultur der USA mit allzu hellen, die 'Europas' (und vor allem Deutschlands) in allzu undifferenziert dunklen Farben zu malen. Unter diesen zentralen Anliegen leidet die Wissenschaftlichkeit dieser Dissertation, da die Autorin ständig zwischen den Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit, unterstützt mit einer Unmenge (von zum Gutteil unnötigen) Anmerkungen, moralisierenden Appellen und journalistischen Gegenwarts- und Zukunftsanalysen schwankt.
In ihrer Aufarbeitung der Geschichte der beiden Kontinente – und es geht keineswegs, wie der Titel des Buches vermuten ließe, um eine primär ideengeschichtliche Arbeit – ordnet die Autorin Ereignisse, Entwicklungen und Gegenstände selektiv der zentralen Perspektive unter; selektioniert und gewichtet mit Blick auf die erwünschte Schlußfolgerung, so daß man den Eindruck gewinnt, die Geschichte Amerikas wäre eine fast ununterbrochene 'success story', wogegen für Europa die Einmündung in den Totalitarismus Hitlers und Stalins fast unvermeidlich wird durch den fehlenden Pragmatismus und Liberalismus europäischer Denker vor allem des 19. Jahrhunderts." (S. 567 f.)

"Der Autorin wird es nur möglich, die Entwicklung der USA völlig mit der Idee des Fortschritts zu identifizieren, weil sie – einerseits – nirgends diesen vieldeutigen und umstrittenen Begriff 'Fortschritt' klar umreißt; nie klarstellt, ob es sich um materiellen, technischen, moralischen Fortschritt handelt. Andererseits ihrer Hauptthese widersprechende Evidenz umdeutet, für nebensächlich erklärt, oder ganz vernachlässigt." (S. 568)

"Das Verwirrende und Irritierende an der Arbeit ist auch, daß die Verfasserin die Ebenen der Analyse und Beschreibung ständig vermengt. Ob es sich um Äußerungen von Politikern, um Schriften von Philosophen, um Ereignisse in der politischen Geschichte der USA handelt, sie werden wahllos als Quellen zur Stützung der Argumentation ohne methodische Reflexion verwendet. Auf jeder dieser Ebenen wäre eine differenzierte Analyse wertvoll gewesen und hätte, wie dies in den letzten Jahren schon teilweise geleistet worden ist, zumindest den ungebrochenen Fortschrittsglauben der Mehrheitsamerikaner durchaus bestätigen geholfen. Doch Frau Mathiopoulos zitiert auch amerikanische Kulturkritiker, Nostalgiker, Imperialisten, sozialdarwinistische Rassisten, zeigt damit, daß all jene 'Verirrungen' europäischen Denkens ebenso im Boden Amerikas Nahrung fanden, ohne jedoch auf den Widerspruch zu ihrer Hauptthese einzugehen oder ihn aufzulösen. Nirgends findet sich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Denkern, die sie kritisiert (z.B. Nietzsche, Marx, 'Frankfurter Schule'); oder mit Bewegungen, wie den Grünen, die sie ablehnt. Alle Gegenwartsprobleme werden angesprochen, keines ausgelotet." (S. 568)

"Ärgerlich ist das, wenn sich dazu noch faktische Fehler und Fehlinterpretationen gesellen. [...] Diese irritierenden Fehlleistungen sind jedoch Resultat des Versuchs, allzuviel in den Rahmen eines Bandes zu presssen, was zu Verhunzungen, Simplifizierungen und auch Verzerrungen führt.
Neben diesen grundlegenden Schwächen erscheinen mir die Vorwürfe des Plagiats, die dem Buch und seiner Autorin negative Aufmerksamkeit verschafft haben, eher nebensächlich. Einige Passagen 'verbatim' (und ohne Quellenangabe) aus den Werken andernorts zitierter Autoren abzuschreiben, ist unzulässig, aber kommt eher ersten läßlichen Sünden gleich. Die zentralen Schwächen der Arbeit liegen, wie ich versucht habe zu zeigen, anderenorts. Es ist zu bedauern, daß der hervorragende Historiker Bracher diese Publikation für würdig befand, ihr ein Geleitwort zu widmen." (S. 568 f.)


Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität (Prof. Dr. Helmut Keipert, Dekan): Schreiben an Dr. Margarita Mathiopoulos, Bonn, 30.04.1991 (Dazu Begleitkommentar von Margarita Mathiopoulos, [22.?] Dezember 2011)

"Philosophische Fakultät
der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität

D-5300 Bonn, den 30.4.1991

[...]

Sehr geehrte Frau Dr. Mathiopoulos,

auf Grund der Vorwürfe, die in der Öffentlichkeit gegen Ihre 1986 angenommene und 1987 im Druck erschienene Dissertation 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa' erhoben worden sind, hat die Philosophische Fakultät der Universität Bonn am 17.10.1990 eine Kommission eingesetzt, die in Hinblick auf § 24 Promotionsordnung (1970) prüfen sollte, ob die Fakultät in bezug auf die nach § 12 derselben Ordnung abzugebenden Erklärungen getäuscht worden sein könnte. Nach eingehenden Beratungen, bei denen Ihnen am 24.1.1991 auch Gelegenheit zu persönlicher Stellungnahme gegeben war, hat die Kommission am 30.1.1991 berichtet, daß für die Fakultät kein Anlaß zum Einschreiten wegen eines Täuschungsvorwurfs bestehe, und zur Begründung ausgeführt:

'a) Zwar sind im Literaturverzeichnis dieser Dissertation die verwendeten Werke genannt und aus ihnen entnommene Stellen auch durch Fußnoten nachgewiesen, doch ist in wörtlicher und sinngemäßer Wiedergabe mehr übernommen, als es die Zitatnachweise in Fußnoten erkennen lassen. Bei diesem Sachverhalt handelt es sich um einen gravierenden methodischen Mangel, der im Widerspruch zu der in § 12 Promotionsordnung unter 6. erhobenen Forderung steht, daß wörtlich oder dem Sinn nach entnommene Stellen 'in jedem einzelnen Fall als Entlehnung kenntlich gemacht’ sein müssen.
b) Den Verdacht der Täuschung glaubt die Kommission trotz der nicht geringen Zahl solcher methodisch bedenklichen Stellen verneinen zu können, weil die beschriebene Art des Zitierens vermuten läßt, daß Frau Dr. Mathiopoulos zwar handwerklich mangelhaft, aber doch in gutem Glauben gehandelt hat. Auch die Umstände, die sie bei der Anhörung am 24.1.1991 über die Entstehung ihres Dissertations-Manuskriptes mitgeteilt hat, können die Verwischung der Grenzen zwischen eigenem Text und Fremdtexten erklären.
c) Wesentlich ist, daß die Arbeit trotz ihrer handwerklichen Mängel eine originelle These vertritt, die dem Buch Anerkennung auch bei namhaften Wissenschaftlern verschafft, die die Einwände der Rezension Falke kennen. Entscheidungserheblich war für die Kommission auch die Überlegung, daß bei früherer Feststellung dieser Mängel wohl nicht überhaupt die Promotion verweigert, sondern die Arbeit zur Ergänzung der notwendigen Zitatnachweise zurückgegeben worden wäre.'

Der Erweiterte Fakultätsrat hat nach diesem Bericht beschlossen, daß für die Philosophische Fakultät kein Anlaß besteht, gegen Sie wegen des Vorwurfs der Täuschung einzuschreiten.

Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
(Prof. Dr. Helmut Keipert)
Dekan"

(Anmerkung: Der Kommission war demnach u.a. unbekannt, dass – lt. VroniPlag-Dokumentation mindestens 9 – weitere Quellen ohne ausreichende Kennzeichnung Verwendung fanden, die nicht im Literaturverzeichnis nachgewiesen waren. Siehe Mathiopoulos-1987/Quellen.
Zur Promotionsordnung von 1970 siehe auch: Promotionsordnung_Bonn_1970
Zur "Rezension Falke" siehe auch: Rezension Falke 1989)


Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität: Bericht der Kommission in Sachen Doktorgradentziehung Professor Dr. Ströker, 25.03.1991 (abgedruckt in: Marion Soreth (Hrsg.): Dokumentation zur Kritik an Elisabeth Strökers Dissertation, Köln 1991, S. 42-51)

Bericht Ströker-Kommission

(Anmerkung: Der Kommissionsbericht zum Fall Ströker wurde in diese Dokumentation aufgenommen aufgrund der zeitlich parallelen Untersuchung beider Fälle – 1 bzw. 13 Monate, nachdem die Plagiatsvorwürfe öffentlich geworden waren.
Zum Fall Ströker siehe neben dem Wikipedia-Personenartikel und den dortigen Hinweisen auf weitere Literatur auch z.B.


Bruce P. Frohnen: (Rezension der amerik. Ausg. 1989), The American Political Science Review, vol. 85, No. 1 (March 1991), pp. 273-274

"The most interesting and useful portions of History and Progress are those which deal directly with varying notions of progress in modern European, and particularly in American, thought and practice. [...] Mathiopoulos utilizes an extremely broad definition of progress (essentially, the optimistic pursuit of social improvement) in order to analyze differing meanings and levels of acceptance of what she sees as the driving force of modern politics. Through an intelligent, volouminously documented, and well-constructed set of historical narratives, (albeit somewhat derivative of Hofstadter and Huntington), Mathiopoulos shows that progress has increasingly come to mean continuing movement toward greater equality of rights and conditions." (S. 273)

"Tocqueville dealt with his adversaries in a civil manner even when he disdained them; but Mathiopoulos at times becomes intemperate in her attacks on those she deems dangerous, particularly the Puritans (whom she terms 'fanatical') and intellectual conservatives, including Strauss and Voegelin (who were, in her view, basically 'un-American' and unimportant [p. 277]). Such incivility is particularly inappropriate given Mathiopoulos' clear lack of knowledge concerning the history or content of the views she dismisses." (S. 273)

"There are elements of an interesting historiographical discussion (suffering somewhat from the lack of any sustained conceptual discussion of the key terms involved) concerning the differing readings of the progressive traditions of Europe and America [...]. But Mathiopoulos fails to explore the effects of 'progressive' readings of historical ideals and institutions – readings that may alter fundamentally the beliefs and practices she asserts stabilize the pursuit of 'social justice.'
Mathiopoulos' work is in large part a gloss on Samuel P. Huntington's American Politics (1981). She accepts without question Huntington's notion of cycles of 'creedal passion periods' during which citizens' heightened concern with bringing mutually conflicting ideals to reality causes political upheaval. The conflicts between values such as democracy (which demands mass public participation) and individualism (which demands a weak state), for Mathiopoulos, leads to progress – the pragmatic pursuit of material and social equality.
What Mathiopoulos fails to consider is the possibility that a people may retain key words without maintaining key concepts." (S. 274)

1990Bearbeiten

Adam M. Garfinkle (?): ("Brief Review" der amerik. Ausg. 1989), ORBIS. A quarterly Journal of World Affairs, vol. 34, No. 3 (Summer 1990), p. 455

"De Tocqueville's remarkable work notwithstanding, Americans sometimes forget how much it is to their advantage that Europeans take an interest in 'the American mind,' as compared to 'the European mind.' History in Progress, originally published in German in 1986 [richtig: 1987], is a work of that genre, though far from being a great one.
[...] The result should be of interest to Americans if only because it looks at the basics of American political culture and history from a new angle.
There are some problems with the book, however. Two early chapters on European intellectual history are so convoluted as to render them almost unreadable. Also, at times, the narrative becomes little more than a compilation of quotations. Finally, and most important, History and Progress is 'old-fashioned' intellectual history in that ideas are only occasionally connected to the economic and social realms. One need not be a Marxist to think such history risks missing some part of the impulses that give rise to ideas. In this regard, however, Mathiopoulos is guilty not of a felony, but rather a misdemeanor."

1989Bearbeiten

Ingrid Benecke (Stuttgart): (Rezension), Neusprachliche Mitteilungen aus Wissenschaft und Praxis, Jg. 42 (1989), Heft 4 [November], S. 260

"Der Gang durch die fast 400jährige Geschichte der Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents durch Europäer ist der Suche nach Spuren gewidmet, die davon zeugen, daß die amerikanische Innen- und Außenpolitk eine starke idealistische Triebfeder besitzt: Ronald Reagans Aufruf zu einem 'crusade for freedom' (8. Juni 1982) war lediglich ein später Beleg für die alte amerikanische Tradition, in der the new man in the new world den sichtbaren Beweis der Auserwähltheit im kalvinistischen Sinne erfährt und deshalb die moralisch-politische und sogar existentielle Verpflichtung auf sich nimmt, die Segnungen des besseren Neubeginns an andere außerhalb des commonwealth weiterzugeben. Die Verfasserin richtet außerdem den Blick auf die europäischen Ursprünge dieses Denkens und sammelt die wichtigsten Stellen, an denen die amerikanische Republik und Demokratie ihrerseits zum Vorbild für politische Veränderungen wurde. Mit der eindrucksvollen Zusammenschau von historischen Ereignissen, von Aussagen von Zeitzeugen und von Deutungsversuchen aus heutiger Sicht verfolgt das vorliegende Buch in der Geschichte der Vereinigten Staaten die Bedeutung des Forschrittsgedankens und zeigt auf, wie dieser protestantisch-religiös verankert ist und seit je dem pursuit of happiness des (weißen) Individuums dient. Die Autorin wendet sich damit an den gebildeten Laien, der, von unseren politischen Gegebenheiten ausgehend, die amerikanische Geistesart und das deutsch-amerikanische Verhältnis besser verstehen möchte.
Vor allem was man über die Amerikanische Revolution und ihre Stellung zur Französischen liest, überzeugt durch prägnante Formulierung und kann entscheidend dazu beitragen, die Denkweise jenseits des Ozeans adäquater zu begreifen. Zugleich wird ein solcher Leser vermissen, daß das Motiv des freiheitlichen und demokratischen Selbstbewußtseins der Amerikaner nicht auch aus realpolitischer und ökonomischer Sicht betrachtet wird und deshalb kaum zur Sprache kommt, wie lange die amerikanische Politik bei der Behandlung ihrer eigenen rassischen und nationalen Minderheiten den selbstgesetzten Idealen keineswegs gerecht wurde.
Für diejenigen, die sich darüber hinaus informieren möchten, enthält der Band einen detaillierten Anmerkungsapparat und ein sehr umfangreiches Literaturregister."


Andreas Falke (US Embassy, Bonn): (Rezension), German Politics and Society, Nr. 18 (Fall 1989), pp. 93-101

"The themes treated in this book reach from Plato to Reagan. It is difficult, however, to distill a central thesis from 293 pages of text because the author develops no consistent analytical or methodological approach to her topic. Mathiopoulos's book is neither a history of political ideas, nor an exposition of political theory, nor a comparative history, but rather a curious mixture of all three. All too frequently she slips into pure historical narration and interpretation of worn-out clichés. Although the concept of progress is central to her analysis, she never tries to define it, but loosely equates progress with what she calls progressive ideals such as 'Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Gleichheit.' In what may amount to a central thesis, she suggests that these ideas were present in the French as well as American Revolutions, but that in the European case they were subject to 'Negativ-Ideologisierung,' and in the American case they were subjected to 'Positiv-Ideologisierung,' two of many arbitrary and concocted terms never explained in the text (pp. 74, 148)." (S. [93] f.)

"The author's intent behind such convoluted and at times bombastic language is evidently to demonstrate her staunch pro-Americanism, not to give an analysis of the differences in American and European political thought." (S. 97)

"Because Mathiopoulos never bothers to define her concept of progress, she can apply it arbitrarily and opportunistically to whatever political trend she prefers. [...] While an analysis of social-democratic programs is certainly appropriate in such a book and while we would not expect such analysis to be motivated by sympathy, the polemical and overtly political tone is entirely inappropriate in a book with scholarly claims." (S. 98)

"At the center of her book is an interpretation of the chief institutions of American government as agents of progress. [...] Her analysis, however, never goes beyond the narration of presidential feats in history and amounts to an embarrassing leadership cult." (S. 98)

"The discussion of political concepts is intermingled with long-winded historical narration, for instance, of Lincoln's role during the Civil War, with extensive quotation from his various speeches (pp. 254 ff.). We are basically spared no cliché, but nowhere do we find novel interpretation. Her analysis of American history is based on what Thomas Cochran in 1954 called the presidential synthesis of American history. Newer approaches, like that of the revisionist historians, are ignored or labeled as antiprogessive pessimism. The discussion of the Progressive Era never moves beyond the Hofstadter interpretation, ignoring in most other cases the contributions of recent socal history." (S. 99)

"Mathiopoulos not only fails to mention the dark sides of American society such as poverty, inequality, violence, and racial discrimination, but in her cursory and incomplete treatment of the New Deal, she fails to give appropriate weight to a period in American political development which has inspired progressive politics in America to this day. This failure may also account for the omission of a coherent account of American postwar liberalism." (S. 100)

"Quite irritating is the uneven tone of the book, which vacillates between pseudo-scholarly rhetoric and the style of politicians' Sunday speeches: 'Europa und Amerika gehören unverbrüchlich zusammen . … Sie müssen sich dazu ihrer gemeinsamen geistigen Grundlagen bewußt werden' (pp. 292-293) [...] — sentences which are presented as major conclusions of this study. This book is no analysis of political thought, political theory, or political history in America, and beyond characterizing every political institution and development in America as progressive, it has no substantive theme. The text is an overambitious collage that mixes conceptual stereotypes, historical fragments, lengthy quotation from classical political texts and documents, and excessive name-dropping. A close reading confirms one's impression of heavy borrowing from standard German textbooks! On pages 135-139 and 141, Mathiopoulos uses large portions from Horst Dippel's Die amerikanische Revolution (pp. 9, 11-16, 112-113, 115) without accounting for it. Text from Horst Mewes's Einführung in das politische System der USA (pp. 22, 28-29, 41-45, 241, 245-246) is incorporated on pages 194-197, 220-225. Almost half of her analysis of American federalism is taken directly from Mewes. Hans Gugisberg's [sic] book Geschichte der USA (pp. 116, 119, 121-122, 149, 161) is exploited on pages 256, 257, 260 and 262, with little modification of the original text. Passages from Hartmut Wasser's Die Vereinigten Staaten. Porträt einer Weltmacht (pp. 230-231, 233, 235) can be identified on pages 221 and 222. If the German scholarly community is concerned about the state of American studies in political science, this book gives them every reason to be." (S. 100 f.)

Dazu redaktioneller Nachtrag in: German Politics and Society, Nr. 19 (Spring 1990), S. 147:
"We would like to take this occasion to clarify a matter from the previous issue of GP&S. In identifying Andreas Falke as being at the U.S. Embassy in Bonn, we in no way meant to associate the Embassy with Falke's views expressed in his review of Margarita Mathiopoulos's Amerika: Das Experiment des Fortschritts. As a Kennedy Memorial Fellow at the Center for European Studies at Harvard, Falke wrote his review while on leave from his job at the U.S. Embassy in Bonn. He published this review as a scholar in a scholarly journal [...]."


(Anmerkungen:
Numerisch sortierte Seitenverweise in der Rezension insgesamt und Stand der VroniPlag-Dokumentation für diese Seiten [13.07.2011]:

S. 73

S. 74

S. 135-139
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/135 – Plagiate in mehr als 1/2 des Fließtextes
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http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/139 – Plagiate in mehr als 3/4 des Fließtextes

S. 141: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/141 – Plagiate in mehr als 3/4 des Fließtextes

S. 148

S. 168: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/168

S. 169: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/169

S. 171-173
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/171
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/172

S. 194-197
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/194
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/195 – Plagiate in mehr als 3/4 des Fließtextes
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/196 – Plagiate in mehr als 1/2 des Fließtextes
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/197

S. 211

S. 215: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/215

S. 220-225
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/220
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/221
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/222
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/223 – Plagiate in mehr als 1/2 des Fließtextes
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/224
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/225 – Plagiate in mehr als 1/2 des Fließtextes

S. 228

S. 254 ff.
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/254 – Plagiate in mehr als 1/2 des Fließtextes
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/255
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/256

S. 257: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/257 – Plagiate in mehr als 3/4 des Fließtextes

S. 260: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/260 – Plagiate in mehr als 1/2 des Fließtextes

S. 262: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/262 – Plagiate in mehr als 3/4 des Fließtextes

S. 265

S. 268: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm/Mathiopoulos-1987/268

S. 292

S. 293

Siehe auch:

Zitate:


Horst Mewes (Boulder/Colorado): Humorvolle Einlage (Leserbrief), DER SPIEGEL, Nr. 41/1989 (09.10.1989), S. 12

"Ich finde es äußerst lobenswert, daß der SPIEGEL es nie versäumt, seine zahlreichen Krisen- und Weltuntergangsberichte mit humorvollen Einlagen zur Unterhaltung des Lesers zu unterbrechen. Dazu gehört doch wohl auch der jüngste Bericht, daß man Stellen aus (unter anderem) meinem 'USA'-Buch abschreibt (oder 'sich anlehnt', wie es so hübsch heißt). Ich sage dazu, soll man doch abschreiben!! Ich befürworte hiermit in aller Öffentlichkeit, daß alle Studenten im ersten Semester des Politikstudiums als Teil ihrer Grundausbildung einige Wochen mit dem Abschreiben meines Buches (und, ich bin nicht kleinlich, mit anderen, bedeutenderen Werken) verbringen. Zur Unterstützung dieses Unterfangens würde sich vielleicht jemand bereit erklären, eine Broschüre zum Thema 'Wie man sich an ein Standardwerk anlehnt, ohne umzufallen' zu verfassen. Mein USA-Buch wird jedenfalls demnächst in 2. Auflage im C.F. Müller Verlag erscheinen, so daß weiterhin munter abgeschrieben werden kann."

(Anmerkung: Siehe auch Kategorie:Mewes 1986)


Margarita Mathiopoulos (z.Zt. Palo Alto): Enge Orientierung (Leserbrief), DER SPIEGEL, Nr. 38/1989 (18.09.1989), S. 9

"In meiner Doktorarbeit [...] habe ich zwischen 1982 und 1986 versucht, in einer schwierigen Zeit der deutsch-amerikanischen Beziehungen das Augenmerk auf die ideengeschichtlichen Gemeinsamkeiten zwischen Europa und den USA zu lenken. Bei den erwähnten Textstellen handelt es sich um Passagen aus wissenschaftlichen Standardwerken mit der Beschreibung von politischen und historischen Fakten. Sich daran eng zu orientieren ist üblich. Ich habe Tatsachen übernommen, nicht Ideen gestohlen.
Die Autoren, an die ich mich angelehnt habe, werden in den Kapiteln II bis IV meiner Arbeit jeweils zwölfmal (Guggisberg), achtmal (Mewes) und fünfmal (Dippel) zitiert."

(Anmerkung: Siehe auch:


Kern der Leistung. Die Doktorarbeit der Beinahe-Vorstandssprecherin der SPD, Margarita Mathiopoulos, weist erstaunliche Parallelen auf, DER SPIEGEL, Nr. 37/1989 (11.09.1989), S. 61 u. 64 (PDF)

"Nun kommt zutage, daß die überaus selbstbewußte Deutsch-Griechin zum Abschluß ihres Politologie-Studiums 1986 in Bonn eine Dissertation ablieferte, die zwar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ('gehört zu den wichtigsten und anregendsten Neuerscheinungen der letzten Jahre') und der Neuen Zürcher Zeitung ('historisch weit ausholend') hochgelobt wurde, aber auch Schönheitsfehler enthält.
Frau Mathiopoulos bediente sich recht unakademisch bei dem bundesdeutschen Historiker Horst Dippel, dem Politikprofessor Horst Mewes (University of Colorado in Boulder) und Hans R. Guggisberg, Professor für neuere Geschichte an der Universität Basel: Sie schrieb an etlichen Stellen aus deren Arbeiten beinahe wörtlich ab, ohne die Passagen, wie es sich bei einer Dissertation ziemt, als Zitate auszuweisen. […] Mit den Vorwürfen konfrontiert, teilte Mathiopoulos über ihren Anwalt mit, es sei 'legitim, sich an wissenschaftliche Kompendien und Standardwerke eng anzulehnen, sofern die Quellen offengelegt werden'. Wo dies nicht geschehen sei, seien ihr 'offensichtlich' bedauerliche 'Flüchtigkeitsfehler' unterlaufen.
Doktorvater Professor Karl Dietrich Bracher, inzwischen emeritiert, zeigte sich hingegen 'sehr betroffen, daß an einigen Stellen die angewandten Arbeitsmethoden nicht wissenschaftlichen Gepflogenheiten entsprechen'. Dadurch werde aber 'der Kern der geistigen Leistung von Frau Mathiopoulos nicht beeinträchtigt'."


Margarita Mathiopoulos: History and progress. In search of the European and American mind. Foreword by Gordon A. Craig, New York/Westport : Praeger, [September] 1989. (442 S.) (Digitalisat)

(Darin Gordon A. Craig: Foreword, S. XIII-XV, hier S. XV:
"In this remarkably comprehensive volume, which shows a thorough knowledge of classic and contemporary texts and a shrewd appreciation of American perceptions and prejudices, Dr. Mathiopoulos has made an important contribution to scholarship. She may also prove in the long run to have done something to ease the strains in the alliance. For this is a book that can give Europeans a clearer understanding of the historical reasons for the American preoccupation with progress, its reflection in American romanticism and nationalism, the way in which it influences all aspects of American political theory and practice, including its historical attitudes with respect to foreign affairs, and the positive, as well as the negative, aspects of this influence. Perhaps, too, by helping Americans appreciate the intellectual heritage that they share with Europe, it may even induce administration spokesmen to diminish the emphasis upon American exceptionalism that is often so exasperating to our friends and allies.")


Marianne Antwerpen: Hauptstadt-Notizen, Bonner General-Anzeiger, 01.07.1989, S. 4

"Friedbert Pflüger, fünf Jahre lang Pressesprecher von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, hatte schon immer einen ausgeprägten Sinn fürs Wirkungsvolle. Mit gleich zwei Empfängen in Berlin und Bonn verabschiedete er sich diese Woche von seiner Sprechertätigkeit – zusammen mit seiner Frau Margarita Mathiopoulos, die ihren Job beim Aspen-Institut in Berlin aufgibt, um mehr Zeit für ihre Habilitation zu haben. Der Empfang im Berliner Nobel-Hotel Kempinski am Donnerstag wie auch der am Freitag im Bonner Presseclub war von geradezu präsidialem Zuschnitt, die Gästeliste vom Feinsten. [...] Aber zunächst einmal geht es im September für drei Monate in die USA, an die Stanford-Uni. Ehefrau Margarita will dort an ihrer Habilitation über 'Amerika und die deutsche Frage' arbeiten, er die Zeit nutzen, um ein Buch über Weizsäcker, 'Ein Portrait aus der Nähe', zu schreiben. [...]"

1988Bearbeiten

Erich Angermann: (Rezension), Das Historisch-Politische Buch, Jg. 36 (1988), S. 159

"Es ist nicht ganz leicht, dem vorliegenden Buch gerecht zu werden – kommt es doch selten vor, daß eine Dissertation den Anspruch erhebt, ein gewaltiges, kompliziertes und voller tückischer Mißverständnisse steckendes welthistorisches Phänomen global über die Jahrhunderte weg vergleichend deuten zu wollen, und doch dabei nicht einfach gänzlich Schiffbruch erleidet! Das scheint sie dem Rez. zum einen einer stupenden Belesenheit (die freilich nicht wenige Spuren von Flüchtigkeit und für den mit den Dingen genauer Vertrauten signifikante Lücken aufweist) und zum anderen einer beachtlichen Gabe der Organisation und Darbietung des Stoffes zu verdanken zu haben. So geht sie auf knapp 300 S. wohldokumentierten Textes den Ursprüngen und Wandlungen des Fortschrittsgedankens seit der Antike, der Interdependenz des unverbrüchlich optimistischen und der Aufklärung verpflichteten amerikanischen und des seit der Französischen Revolution eher gebrochenen europäischen Fortschrittsglaubens, der weltanschaulichen Verankerung der amerikanischen Fortschrittsidee und ihrer innen- wie außenpolitischen Umsetzung in der politischen Praxis bis in die zweite Amtsperiode Ronald Reagans nach. Es versteht sich, daß bei einem solchen Unterfangen Unebenheiten und sachliche Schnitzer (z. B. S. 248 oder 282, wo W. H. Seward als 'Außenminister unter Andrew Jackson und Abraham Lincoln' statt unter letzterem und Andrew Johnson auftaucht) nicht ausbleiben; schlimmer sind schiefe Bilder ergebende Verkürzungen und eine vielfach allzu unkritische Übernahme althergebrachter amerikanischer Autostereotype, deren Gesamtbild unglaubwürdig wirkt, weil es Schattenseiten des Fortschritts kaum kennt. Wegen seines Kenntnisreichtums verdient das Buch gleichwohl Beachtung."

(Anmerkung: Der Rezensent erkannte nicht, dass aus seiner Arbeit abgeschrieben wurde – siehe Kategorie:Angermann 1979.)


Katharina von Bülow: (Rezension), Politique Étrangère, vol. 53, 4/1988, pp. 1010-1011

"Le livre de Margarita Mathiopoulos, Amerika: Das Experiment des Fortschritts (L'Amérique, l'expérience du progrès) est ambitieux. Le sous-titre: 'Une comparaison de la pensée politique aux Etats-Unis et en Europe' nous l'indique." (S. 1010)

"Son immense savoir, dont les 200 pages de l'appareil bibliographique font état, est impressionnant." (S. 1011)

"La deuxième partie est une analyse approfondie de l'idée de progrès dans l'historiographie américaine. suivie d'une analyse comparative de cette idée dans l'évolution politique des deux continents." (S. 1011)


Wolfgang Renzsch: Mit Aristoteles gegen Europas Dekadenz. Margarita Mathiopoulos rühmt den neokonservativen Fortschrittsoptimimus der USA (Rezension), Süddeutsche Zeitung, 15./16.11.1988, S. 11

"Die Verfasserin beginnt mit einer gut 50seitigen Darstellung der Ursprünge und Wandlungen des Fortschrittsgedankens in der europäischen Ideengeschichte. Ausgehend vom Denken der griechischen Antike geht es rasch über Jahrhunderte abendländischen Denkens zur 'Krise Europas im 20. Jahrhundert' und zur 'Zukunft der europäischen Geschichte'. Notwendigerweise bleiben die Darlegungen zu den einzelnen Autoren denkbar knapp, hier wird mehr etikettiert und in Schächtelchen eingeteilt als erläutert. [...]

Kritik an der Zeit nach 1969

Die Krise der Fortschrittsidee, die Frau Mathiopoulos hier diagnostiziert, sieht sie durch die 'Krise der Philosophie' verursacht, 'die es versäumt, dem Menschen einen offenen und freien historischen und persönlichen Optimismus zu vermitteln'. Diese Forderung an die Philosophie und, wie sich im weiteren Text herausstellt, an die Geschichtsdarstellung und die Literatur, wird zum ideologischen Maßstab der Bewertung. Wie solche normativen Vorgaben mit der von der Autorin beschworenen Liberalität und Offenheit zu vereinbaren sei, wird allerdings nicht deutlich. Tatsächlich ist es eine dezidiert neo-konservative Position, die den Bewertungsrahmen abgibt. Dies wird nicht nur in der Charakterisierung des amerikanischen Neo-Konservatismus als wahrem Liberalismus und der Identifikation mit Autoren wie Irving Kristol und Norman Pohoretz [sic] deutlich, sondern auch in der Kritik an der Politik der sozial-liberalen Koalition, der sie den Aufbau von 'gigantomanen Bürokratien, die zur Durchführung der uferlosen Reformvorhaben... errichtet wurden', vorwirft, die 'der Mündigkeit des Menschen sowie der privaten individuellen Initiative im Wege' stünden. Das Wohlfahrtssystem trage zu zunehmender Machtkonzentration bei, der Begriff der 'Lebensqualität' rufe beim Bürger ein 'vermeintlich vom Staat verbrieftes Sicherheits- und Anspruchsdenken hervor', und schließlich 'führten die 'Gleichmacherei'-Reformen im Schul- und Universitätswesen nicht nur zu ungerechten Bildungseinbußen, sondern auch zu einer katastrophalen Akademiker-Arbeitslosenschwemme ...'.

Nach diesen Ausführungen zum Fortschrittsgedanken in der europäischen Ideengeschichte von der Antike bis heute wendet sich die Verfasserin der Fortschrittsidee in der amerikanischen 'Geschichtsdeutung' zu. Dieser Abschnitt beginnt besser als der erste. Die religiöse Mystifizierung der amerikanischen Geschichte (City upon the Hill, die Vereinigten Staaten als neues Jerusalem), sozialdarwinistische Interpretationen (survival of the fittest) und andere werden dargestellt. Bevor der Leser zu dem Schluß kommt, nun werde das Buch besser, präsentiert Frau Mathiopoulos ihre Einschätzung der 'pessimistisch-nihilistische(n) Grundstimmung im amerikanischen Denken' während der Zwischenkriegszeit. Insbesondere in der Literatur sei die 'idealistische Fortschrittsidee in eine Verteidigungsstellung' gedrängt worden. Es sei 'bezeichnend' – so die Verfasserin –, 'daß in der amerikanischen Literatur dort, wo sie am meisten der europäischen ähnelt, auch die meiste Unklarheit, Unreife und Dekadenz herrschte'. [ Fragment_120_01-04 ]

In diesem Zusammenhang werden von europäischer Seite André Gide und Marcel Proust, Sigmund Freud und Carl Jung, Aldous Huxley, D. H. Lawrence und Virginia Woolf, W. B. Yeats, Oscar Wilde und James Joyce genannt. Wörtlich heißt es dann: 'Der Angriff auf die Vernunft, auf jeglichen Sinn in der Geschichte, auf Klarheit, Normalität, Grammatik und Moral war das kennzeichnende Merkmal dieser neuen amerikanischen literarischen Schule, der Naturalisten wie (Jack) London ... und (Theodore) Dreiser ..., Primitivisten und Irrationalisten wie Anderson, Hemingway, Faulkner, Sinclair ... Dos Passos und Steinbeck ... angehörten.' [ Fragment_120_16-18 ] Dann weiter wörtlich: 'Gleichzeitig spiegelten diese philosophisch-literarischen Strömungen auch die Enttäuschung wider, welche nach Wilsons idealistischem Messianismus und der Rückkehr der Republik zur Normalität einsetzte, die Flucht vor der Vernunft, die bedingt war durch den Zusammenbruch der Newton'schen Physik (so die Verfasserin), den Triumph der Psychologie Freuds und die politische Zersetzung der Alten Welt.' Frau Mathiopoulos entdeckt in dieser Literatur einen 'Enthusiasmus für Gefühl, Instinkt und Anarchie im Gegensatz zu Denken, Ratio und Disziplin', [ Fragment_120_42-47 ] 'romantisch-utopische Sehnsüchte und politische ideologische Illusionen', die 'quasi zur Konversion zum Kommunismus zwangen', und schließlich entdeckt sie auch einen Hang zur 'perversen Amoralität'.

Solche Wortkaskaden, die sich mehrfach finden lassen, muß man mehr als einmal lesen, um ihr blendendes Wortgeklingel zu durchschauen. Es gehört schon einiges an Dreistigkeit und an wissenschaftlicher Unseriosität dazu, um auf etwas mehr als einer Seite mit drei recht dürftigen Belegen über eine Literaturepoche und zahlreiche Autoren derart pauschal zu urteilen. (Anm. der Redaktion: Dies legt die Vermutung nahe, daß sich Margarita Mathiopoulos von Allan Bloom, dem Autor des US-Bestsellers 'Der Niedergang des amerikanischen Geistes' inspirieren ließ.) [Original-Anm. der SZ-Redaktion – VroniPlag]

[...] Aus dem bisher Dargelegten wird deutlich, wie einseitig das Urteil der Verfasserin ist. Es wird sortiert je nach dem, ob das, was beschrieben wird, unter ihrem neo-konservativen Fortschrittsbegriff subsumiert werden kann oder nicht. Die Einseitigkeiten nehmen dabei groteske Formen an. Geschichte wird nahezu allein auf Ideengeschichte reduziert, unterschiedliche soziale Interessen und Konflikte, die es bekanntlich auch in der amerikanischen Gesellschaft gibt und die natürlich auch einen Einfluß auf die Ideengeschichte haben, werden weitgehend ignoriert. Frau Mathiopoulos meint zum Beispiel, daß rapider Wandel in Europa zur Verschärfung von Klassenkonflikten führte. Dem wird man nicht widersprechen. Die Amerikaner sähen sich hingegen eher dazu verpflichtet, 'die traditionellen Werte wieder aufleben zu lassen.' Solche Formulierungen sind nur möglich, wenn man von der Geschichte der amerikanischen Arbeiterbewegung nichts weiß oder wissen will. Ganz auf der ideologischen Linie der Reagan-Administration liegt die Verfasserin auch in der Beurteilung des Idealismus in der amerikanischen Außenpolitik. Die Invasion auf Grenada, die Unterstützung der Contras in Nicaragua und anderes mehr fällt unter die Rubrik: 'Der Idealismus wurde machtpolitisch untermauert.' Wo die Kritiker Reagans zu finden sind, weiß sie auch: 'Daß die Politik Reagans bei den Gegnern im kommunistischen Lager auf starke Verurteilung stieß, konnte nicht verwundern.' Für die Zukunft bedarf es laut dem Plädoyer der Verfasserin einer 'Aufhebung der Ausdifferenzierung der wissenschaftlichen Disziplinen, der Geistes- und Naturwissenschaften, also der Wiederherstellung der Aristotelischen Einheit.' Wenn dieses Buch von Frau Mathiopoulos schon eine Antizipation der 'Aristotelischen Einheit' darstellt, dann möchte man doch im Interesse von wissenschaftlicher Seriosität, von Quellenstudium und Quellenkritik, von Methodenpluralismus und Nachprüfbarkeit der Argumentation lieber bei der Ausdifferenzierung der Disziplinen bleiben."

(Anmerkung: Bei Zitaten, die von VroniPlag als Plagiate bewertet wurden, sind die entsprechenden Fragmentadressen hinzugefügt.)


Dieter Buhl: Wo der Fortschritt eine Chance hat. Amerika als Land der Verheißung gilt auch heute noch nicht als Fata Morgana (Rezension), DIE ZEIT, 21.10.1988

"Die Urteile fallen gelegentlich in Sätzen, die selbst Thomas Mann als zu lang befunden hätte. Bei der Ausweitung ihrer Dissertation in ein wichtiges Buch mag Margarita Mathiopoulos den Inhalt gelegentlich über die Form gestellt haben. Dennoch lohnt es, diesen Steinbruch des Wissens zu erschließen, weil sich viele Erkenntnisse herausbrechen lassen."


Hans Vorländer: Auf der Suche nach den moralischen Ressourcen Amerikas. Republikanischer Revisionismus und liberale Tradition der USA, Neue Politische Literatur, Jg. 33.2 (1988), S. 226-251

"Auch Margarita Mathiopoulos, Amerika, das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa, Paderborn u. a. 1987, erkennt nicht die gesteigerte Selbstreflexion in der amerikanischen Geschichtsschreibung, die der republikanische Revisionismus mit sich gebracht hat. Mathiopoulos nimmt diese Diskussion um die republikanische Interpretation der amerikanischen Geschichte nicht auf. Was der Titel suggeriert, hält das Buch leider nicht. 'Experiment des Fortschritts' läßt das Tentative, den Zweifel am Fortschritt, anklingen, dessen sich die Founding Fathers – und nicht nur sie – bewußt waren. Doch wird diese Ambivalenz, im Namen einer vorindustriellen Tradition die Auflehnung gegen die Moderne zu suchen, von Mathiopoulos nicht aufgegriffen." (S. 250, Fn. 70)


Michael Stürmer: (Rezension), Sender Freies Berlin, April 1988 (unpag. Sendetranskript)

"Das Buch von Margarita Mathiopoulos über die amerikanische Idee des Fortschritts hat sich ein großes Ziel gesetzt: diese Idee als Maßstab des Vergleichs zu nehmen zwischen dem politischen Denken in Europa und Amerika. Das Ergebnis ist ein Buch mit großer Perspektive, mit kunstvoll gezogenen langen Linien durch die Geschichte […]" (S. [2])

"[…] Qualitäten […], die ihr Buch auszeichnen: Mut zu einer großen Fragestellung, Prägnanz der Formulierung, Fähigkeit zur Synthese, fundierte Kenntnis dessen, was Amerika jenseits von Größe, Lage und Bruttosozialprodukt zusammenhält und über 200 Jahre zur Weltmacht werden ließ." (S. [3])

"An diesem Punkt, Ende des 18. Jahrhunderts, da das amerikanische Fortschrittsdenken sich vom tief enttäuschten, skeptisch gewordenen und verzweifelnden europäischen löste, und in Europa der Fortschritt zur Parteiideologie der politischen Linken wurde, beginnt die Komposition dieses Buches kompliziert zu werden, und intellektuell aufregend." (S. [5])

"Man bemerkt hier den intellektuellen Telegrammstil, in dem das Buch geschrieben ist; in den auf Europa bezogenen Teilen nur Entwurf, in den Amerika darstellenden Teilen eher breite Ausführung. So hat das Buch etwas Atemloses, Unruhiges. Es gibt da keine langen Beweisführungen. Die These ist alles, die Belege werden mitgedacht. […] Ihr ist dieser Leitartikelcharakter ihrer Überlegungen zur Krise Europas – die sie als Pervertierung des europäischen Fortschrittsdenkens kennzeichnet [–] wohl bewußt: Daher fragt sie, mehr als daß sie behauptet; wirft mehr Thesen aufs Papier als deren Beweise. Am deutlichsten wird dieser ungeduldige, intelligente Stichwortcharakter deutlich, wo es um den deutschen Mittelpunkt der europäischen Krise im 20. Jahrhundert geht […]" (S. [6])

"Parallelen zum Ende von Weimar werden von Frau Mathiopoulos nicht nur angedeutet: Sie werden auch unterstrichen. Vielerlei kluge Einsichten werden da fast en passant geliefert und könnten den Leser, und den Rezensenten, fast vom Hauptthema abbringen: Amerika. Dieses Thema beginnt in der Tat erst auf Seite 73 mit der Frage nach der Wechselwirkung europäischen und amerikanischen Fortschrittsdenkens […]" (S. [6])

"Der dritte Teil des Buches ist endlich den politisch-philosophischen Verankerungen der amerikanischen Fortschrittsidee gewidmet, ein solides Stück amerikanischer Ideen-, Verfassungs- und Politikgeschichte." (S. [9])

"Das vierte Kapitel über die innenpolitischen Ausprägungsformen der amerikanischen Fortschrittsidee behandelt die großen Krisen, vom Bürgerkrieg und der Abschaffung der Sklaverei bis hin zur Weltwirtschaftskrise und dem sozialpolitischen 'New Deal' Roosevelts. Das für deutsche Leser wohl faszinierendste Kapitel ist leider auch das knappste: Über die Idee des Fortschritts als Leitmotiv amerikanischer Außenpolitik. Diese 20 Seiten sind brilliante Skizze […]" (S. [10] f.)

"Wer Gegenwart und Zukunft Amerikas ermessen will, nach dem Maßstab der Geschichte und dem Selbstverständnis der Nation, und wer die Wirkungen auf Europa abschätzen will, der kann auf das Buch von Margarita Mathiopoulos nicht verzichten." (S. [11])


Werner Weidenfeld: Amerika und Europa. Die Ambivalenz einer Partnerschaft (Rezension), Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.1988, S. 29

  • Scans der Rezension (via mathiopoulos.de): Teil 1 Teil 2
  • auch in: Ein Bücher-Tagebuch. Buchbesprechungen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frankfurt am Main 1988, S. 413 f.
  • engl. u.d.T.: The ambivalent partnership (Rezension), European Journal of International Affairs, vol. I, Nr. 2 (Autumn 1988) pp. 156-159

"Die Verbindung einer ideengeschichtlichen Analyse mit einem gegenwartsorientierten Fragehorizont macht den Reiz dieses Buches aus, das anregt, provoziert, nachdenklich macht, aber – vor allem – eine Fülle von Erkenntnissen zum Thema vermittelt."

"Das Buch steht auf einer materialreichen Grundlage. Es ist sprachlich präzise, dazu schwungvoll geschrieben und bringt dem Leser einen Gegenstand nahe, den er sonst als spröde und trocken empfände. Allerdings verschlägt es ihm ab und an den Atem, mit welcher intellektuellen Behendigkeit die Autorin auf wenigen Seiten den Bogen von der klassischen Antike bis zum Fernsehzeitalter schlägt […]"

"Subtil und differenziert weist Frau Mathiopoulos die historische Interdependenz des europäisch-amerikanischen Fortschrittsdenkens nach."

"[Es ist ein Buch,] das zu den wichtigsten und anregendsten Neuerscheinungen der letzten Jahre zum Verständnis der europäisch-amerikanischen Beziehungen gehört."


Leo Haupts: (Annotation), Annotierte Bibliographie für die politische Bildung, Nr. 1/1988

"Die Autorin stellt in ihrer weitreichenden geisteswissenschaftlichen Studie, einer bei Karl Dietrich Bracher angefertigten Dissertation, die Entwicklung der Idee des Fortschritts in Europa und Amerika vor. Griechisches Denken, römische Rechtsvorstellungen, Christentum und Aufklärung haben die Idee des Fortschritts in Europa geprägt und den für amerikanische Vorstellungen charakteristischen Gedanken vom Geist der Freiheit, von Demokratie und dem Streben nach Gerechtigkeit herausgebildet. [...]
Kann Europa ein Selbstbewußtsein wiedergewinnen, das dem amerikanischen Fortschrittsoptimismus entspricht, und damit seine Zukunft gewinnen? Können Europa und Amerika gemeinsam den Herausforderungen des technologischen Zeitalters gerecht werden? Wird es schließlich ein neues Konzept des Fortschritts geben, das ein humanes Überleben möglich werden läßt? Das sind Fragen, mit denen die Autorin die Leser ihres anspruchsvollen Buches entläßt. Eine Voraussetzung zu einer positiven Antwort (Überwindung des 'Antiamerikanismus') deutet sie an."


Wolfgang Michal: Die SPD – staatstreu und jugendfrei. Wie altmodisch ist die Sozialdemokratie?, Reinbek bei Hamburg 1988 (Kap. "Die neuen Aufsteiger", S. 50-57, hier S. 55)

"Es war Margarita Mathiopoulos, 31 Jahre alt, frisch promoviert, vielsprachig, weitgereist, amerikaerfahren, gut aussehend, aus bürgerlichem Elternhaus – und unglaublich cool. Keine Frage: Margarita Mathiopoulos beherrschte die Kunst der Übertreibung, und sie wollte nach oben, koste es, was es wolle.

Der von der SPD verbreitete Lebenslauf der Bewerberin brachte Glanz in die arme Hütte. Neben geschicktem name dropping enthielt er eine Unzahl von jobs und gigs und spiegelte somit die heutzutage üblichen übertriebenen Anforderungen deutscher Stellenanzeigen. Da gab es 'Forschungs- und Studienaufenthalte' in Harvard, an der Sorbonne und in Florenz, obwohl es sich eher um 'Schnupperreisen' handelte, da fanden der 'Doktorvater Professor Karl Dietrich Bracher' gebührend Erwähnung und der Vorwort-Schreiber 'Prof. Gordon A. Craig', da fehlte nicht der Hinweis auf die zweisprachig erscheinende Dissertation und nicht der Hinweis auf die 'Teilnahme an zahlreichen Fachkongressen über ‚Neue Technologien‛ in den USA, der Bundesrepublik, Italien und Griechenland', auch nicht die 'Mitgliedschaft' in der 'Deutsch-Atlantischen Gesellschaft (Bonn)', dem 'Center for the Study of the Presidency (New York)' und der 'Harvard Graduate Society (Cambridge)'.

Jeder Semesterferienjob wurde als 'beruflicher Werdegang' präsentiert, jeder neben der Doktorarbeit entstandene Artikel als wichtige 'Veröffentlichung' aufgelistet, und die Mitwirkung an den 'Deutsch-Amerikanischen Beziehungen' bedeutungsvoll unterstrichen: Margarita Mathiopoulos war nicht nur 'Koordinator der wissenschaftlichen Austauschprogramme US-Conference Group on German Politics mit dem Deutschen Bundestag und den politischen Stiftungen', sondern auch 'Mitveranstalter der jährlich in den USA stattfindenden New England Workshop on German Affairs und Pacific Workshop on German Affairs'. Und es blieb ihr sogar noch Zeit, um als 'Moderatorin und Nachrichtensprecherin im Ersten und Dritten WDR-Programm' und als 'freie Korrespondentin u. a. des griechischen Rundfunks und Fernsehens ERT I, des Wirtschaftsredakteurs und European Economics Editor' zu arbeiten. Nicht zu vergessen ihre Tätigkeit als 'Presse-Attache der Zyprischen Botschaft in Bonn, Pressereferentin im Zyprischen Presseamt – verantwortlich für den deutschen Pressesektor, redaktionelle Betreuung des ‚German Bulletin‛, Konferenzvorbereitung' und – seit März 1986 – 'Beraterin im Bereich Unternehmenspresse und Kommunikation bei der IBM-Deutschland in Stuttgart'."

1987Bearbeiten

Joachim Renkhoff: (Rezension), ekz-bibliotheksservice, Rez.-Nr. 868365, undatiert [vermutl. um 1987/88]

"Den Total-Zielsetzungen, dem Irrationalismus und Kulturpessimismus in Europa setzt die vom Gedankengut der Aufklärung geprägte Liberale den Pragmatismus der Amerikaner entgegen. Ihre eine Fülle von Material aufarbeitende, entschieden Stellung beziehende Studie erreicht das gesteckte Ziel, zum besseren Verständnis Amerikas beizutragen."


Marc Defossé (Bearb.): Bibliographie zur Konfliktforschung 1987 [mit Annotationen], Beiträge zur Konfliktforschung, Jg. 17.1 (1987), S. 153-187

"Karl-Dietrich Bracher schreibt in seinem Geleitwort: 'Das gedankenreiche und durchaus eigenwillige Buch ist ein bedeutender Beitrag zum europäisch-amerikanischen Dialog.'" (S. 178)


R.M.: Die Fortschrittsidee in Amerika und Europa. Ein temperamentvoller Vergleich aus liberaler Sicht (Rezension), Neue Zürcher Zeitung, 07./08.11.1987

"Die historisch-philosophische Perspektive, die sich beim Lesen dieser Studie eröffnet, hat etwas Bestechendes. Auf weiten Strecken der dichten und zupackenden Argumentation stellt sich spontane Zustimmung ein."

"Tiefer und detaillierter werden die Entwicklungslinien der amerikanischen Geschichte ausgeleuchtet. Mit beherztem sprachlichem und gedanklichem Zugriff wird hier aus einer breiten Stoffülle ein plastisches Bild von den geistigen Verknüpfungen und praktischen Ausformungen jenes spezifischen Fortschrittsidealismus vermittelt, den man den 'American Dream' genannt hat […]"

"Die gewichtigen Qualitäten dieser temperamentvollen Dissertation, die Karl Dietrich Bracher in seinem Vorwort als 'bedeutenden Beitrag zum europäisch-amerikanischen Dialog' bezeichnet, werden […] nicht essentiell tangiert."


Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 86/1987 (27.10.1987), S. 2974

"Margarita Mathiopoulus, im Frühjahr kurzfristig Kandidatin für das Amt der SPD-Sprecherin, hat ein Buch veröffentlicht: 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa'. Der Verlag Ferdinand Schöningh in Paderborn hat den Titel jetzt im Bonner Presseklub vorgestellt. Foto: Karl Dietrich Bracher (zweiter von links), der das Vorwort schrieb, und Margarita Mathiopoulus."


(ma) (d.i. Marianne Antwerpen): Kleines Protokoll, Bonner General-Anzeiger, 08.10.1987, S. 5

"MARGARITA MATHIOPOULOS [...] hatte mit der Duplizität der Ereignisse nach eigenem Bekunden nicht gerechnet, war am Ende aber auch nicht gerade böse über die zusätzliche publizistische Aufmerksamkeit. Die 31jährige, im März designierte und dann am Widerstand aus den Reihen der SPD gescheiterte Partei-Sprecherin, stellte nämlich am selben Tag, an dem ihr Quasi-Nachfolger RAINER BURCHARDT sein neues Amt in der Bonner Baracke antrat, ihren Buch-Erstling mit dem Titel 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts' (Schoeningh-Verlag) vor. Reiner Zufall, versicherte sie, und, wie der Zufall es will, saß sie dann auch noch im selben Flieger von Bonn nach Berlin wie Burchardt und SPD-Präsidiumsmitglied PETER GLOTZ, die der Jung-Autorin denn auch herzlich gratulierten. Rund vier Jahre arbeitete Margarita Mathiopoulos an dem eher wissenschaftlichen Amerika-Buch und freut sich jetzt umso mehr über das Interesse. Am Sonntag wird sie es auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen, und im Februar 1988 soll es im New Yorker Praeger-Verlag erscheinen. Mit einem Vorwort vom Deutschland-Kenner GORDON CRAIG, Professor an der Stanford Universität."

(Anmerkung: Die Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse fand demnach am 11. Oktober 1987 statt.)


Margarita Mathiopoulos, DER SPIEGEL, Nr. 41/1987 (05.10.1987), S. 299 (PDF)

"Margarita Mathiopoulos, 31, [...] wählte das Datum für die Präsentation ihres ersten Buches (Titel: 'Amerika: Das Experiment des Fortschritts', Schöningh-Verlag) mit Bedacht: Sie lud am vergangenen Donnerstag in den Bonner Presseclub – an jenem Tag, an dem auch der neue SPD-Sprecher Rainer Burchardt sein Amt antrat. Während Brandt-Ehefrau Brigitte Seebacher ihrer langjährigen Freundin am großen Tag nah war, fehlten prominente Genossen."

(Anmerkung: Der Tag der Buchvorstellung war demnach der 1. Oktober 1987.)


Margarita Mathiopoulos: Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa. Mit einem Geleitwort von Karl Dietrich Bracher, Paderborn/München/Wien/Zürich : Schöningh, 1987. (408 S.)


Kleines Protokoll, Bonner General-Anzeiger, 09.06.1987, S. 5

"MARGARITA MATHIOPOULOS [...] und FRIEDBERT PFLÜGER, Sprachrohr des Bundespräsidenten, haben am Freitag vor Pfingsten geheiratet. Die Trauung im Bad Godesberger Standesamt war bis zuletzt, so gut es ging, geheimgehalten worden. Trauzeugen waren Dr. GERHARD LANGGUTH, ein politischer Jugendfreund des CDU-Mitglieds Pflügers, und BRIGITTE SEEBACHER-BRANDT, Frau des SPD-Vorsitzenden WILLY BRANDT. Genauso wie Pflügers Chef, Bundespräsident RICHARD VON WEIZSÄCKER, war er Gast der abendlichen Hochzeitsfeier, [...] Unter der Gästeschar war der italienische Botschafter LUIGI VITTORIO FERRARIS und SHEPPARD [sic] STONE, Leiter des Berliner Aspen-Instituts, bei dem Margarita Mathiopoulos im nächsten Monat eine Tätigkeit auf Leitungsebene beginnt. Eine große Koalition aus Bundespräsident und Noch-SPD-Chef Brandt wünschten dem Paar das Beste. Nach der Feier trennten sich dessen Wege wieder. Die Braut jettete nach New York, um Verhandlungen über eine Buchpublikation abzuschließen."


Margrit Gerste: Stein des Anstoßes, DIE ZEIT, 27.03.1987

"Sie ist 30 Jahre alt, sie hat in Bonn Geschichte, Politische Wissenschaften und Psychologie studiert; für ihre Doktorarbeit 'Geschichte und Fortschritt im Denken Amerikas, ein europäisch-amerikanischer Vergleich' war sie zwei Jahre an der Harvard Universität in Boston, interviewte eine ganze Reihe amerikanischer Politiker und schloß daran noch ein paar Forschungssemester in Paris an der Sorbonne und in Florenz an. Sie spricht fünf Sprachen, sie hat als Journalistin gearbeitet. Sie ist die Tochter eines griechischen Antifaschisten, was ihr politisches Bewußtsein geprägt hat – und was sie seit ihrer Kindheit mit Sozialdemokraten wie Brandt, Ehmke, Nau und Franke in Kontakt brachte."


"Am Herzen der Partei vorbei", DER SPIEGEL, Nr. 13/1987 (23.03.1987), S. 22-30 (PDF)

"Glotz war begeistert: Eine junge Frau, gebildet, weltläufig, fünf Sprachen, Studien in USA, Paris und Florenz – das schien dem ehemaligen Wissenschaftssenator von Berlin und intellektuellen Schriftsteller für die alte Arbeiterpartei ein hervorragendes Aushängeschild.
In der Tat hat die 30jährige viel Erfahrung an Universitäten und Institutionen. Nach dem Magister in Bonn – Jura und Politische Wissenschaften – belegte sie 1978 einen zweimonatigen Italienisch-Intensivkurs in Florenz, forschte im November/Dezember 1979 an der Pariser Sorbonne und fuhr zu mehreren Studienaufenthalten nach Harvard. In den USA arbeitete sie mit dem renommierten Historiker Gordon Craig ('Die Deutschen') zusammen und promovierte im letzten November in Bonn beim Politologen Karl-Dietrich Bracher mit magna cum laude, die Dissertation 'Geschichte und Forschung [richtig: Fortschritt] im Denken Amerikas, ein europäisch-amerikanischer Vergleich' erscheint demnächst in Englisch und Deutsch.
Journalistische Praxis sammelte sie nebenher – zwischen 1978 und 1980 als Moderatorin im Regionalfernsehen des WDR ('Hier und Heute') und im Dritten TV-Programm des WDR für griechische Gastarbeiter ('Unsere Heimat – ihre Heimat'). Drei Jahre lang, 1983 bis 1986, war sie, so berichtet Vater Basil[,] Mitarbeiterin des Informationsdienstes 'Wirtschaftsredakteur' und Bonner Koordinatorin des deutschen Programms der 'Conference group of USA'." (S. 27)


SPD: Pressemitteilung Nr. 245/87 vom 19.03.1987:

"Zur Entscheidung des SPD-Präsidiums, Margarita Mathiopoulos zur Sprecherin der SPD zu berufen, erklärt das Mitglied des SPD-Präsidiums Egon Bahr:

[...] Tatsächlich haben die beiden stellvertretenden Vorsitzenden, der Bundesgeschäftsführer und der Schatzmeister dem Vorsitzenden nahegelegt, diese Wahl zu treffen, die besondere Chancen trotz unleugbarer Risiken in sich berge. Alle Mitglieder des Präsidiums waren von der fachlichen Qualifikation von Frau Mathiopoulos überzeugt."


SPD: Pressemitteilung Nr. 244/87 vom 19.03.1987:

"Zu der Berufung von Dr. Margarita Mathiopoulos als Sprecherin des SPD-Parteivorstandes erklären der Bundesgeschäftsführer der SPD, Peter Glotz, und der Schatzmeister der SPD, Hans-Ulrich Klose:

Die Entscheidung, Margarita Mathiopoulos zur Sprecherin der SPD zu bestellen, war wohl überlegt [sic] und richtig. Sie war ungewöhnlich: und diejenigen, die sie getroffen haben, haben die Intensität des Protests möglicherweise unterschätzt. Aber die SPD braucht auch mutige und ungewöhnliche Personalentscheidungen, wenn sie ihre selbstgesteckten Ziele erreichen will.
Diese Personalentscheidung ist ein Signal: Für eine Frau, für eine Angehörige der jungen Generation, für eine Dreißigjährige, für eine unbestritten hohe berufliche Qualifikation und für Weltoffenheit."


Thomas Wittke: Die neue Sprecherin der SPD will zunächst Deutsche werden. Margarita Mathiopoulos hat bisher kein Parteibuch, Bonner General-Anzeiger, 18.03.1987, S. 3

"[...] Daß die schwarzhaarige 30jährige nicht nur auf Gegenliebe stößt, war ihr schon in zahllosen Gesprächen im Vorfeld signalisiert worden. Denn ihr Lebenslauf ist frei von sozialdemokratischem Stallgeruch. Seit März 1986 berät sie IBM in Stuttgart in Sachen Unternehmenspresse und Kommunikation – für viele Genossen Anlaß, die Nase zu rümpfen. Nach dem Zwölf-Stunden-Tag schrieb sie abends ihre Doktorarbeit in Politikwissenschaften über 'Geschichte und Fortschritt im Denken Amerikas – ein europäisch-amerikanischer Vergleich'. Sie wird in den USA und der Bundesrepublik veröffentlicht. Ihr besonderes Augenmerk gilt ohnehin dem deutsch-amerikanischen Verhältnis – ein Extrapunkt in ihrer gestern verteilten Biographie. Margarita Mathiopoulos koordinierte ein wissenschaftliches Austauschprogramm zwischen Washington und Bonn. In den USA hat sie viele Kontakte zu Wissenschaftlern und Politikern. Zwei Jahre hat sie an der Harvard-Universität studiert. Das kritische USA-Bild der linken Sozialdemokraten teilt sie deshalb kaum. [...]
'Mit einem Parteieintritt habe ich keine Probleme. Aber nicht heute oder morgen', sagt die Griechin. Übermorgen? Peter Glotz stand ihr gestern bei: Bei den Präsidiumsberatungen habe die Frage des Parteibuchs keine Rolle gespielt. Das habe Zeit. So Willy Brandt, Johannes Rau und Hans-Jochen Vogel. Dieser Ansicht habe sich die Präsidiumsmehrheit angeschlossen. Auch Lafontaine ist einverstanden. Die Widerstände gegen die Kandidatur von Margarita Mathiopoulos sind von Frauen ausgegangen.
[...] Eigentlich war die neue SPD-Sprecherin schon 'vergeben'. Das deutsche historische Institut in Washington hatte Margarita Mathiopoulos als Referentin für die Aufbauphase der wissenschaftlichen Einrichtung engagiert. [...]"


SPD: Pressemitteilung Nr. 236/87 vom 17.03.1987:

"SPD-Vorstandssprecher Günter Verheugen teilt mit:

Das SPD-Präsidium hat am Montagabend auf Vorschlag von Willy Brandt beschlossen, dem Parteivorstand die Berufung der Journalistin Dr. Margarita Mathiopoulos als Sprecherin des SPD-Vorstandes zu empfehlen." (S. [1])

Lebenslauf Margarita Mathiopoulos (S. 2-3)

1970Bearbeiten

Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Promotionsordnung zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie (Dr. phil.) vom 24.08.1970 (Bekanntmachung des Ministers für Wissenschaft und Forschung vom 29.01.1971 - I B 5.43-14/1/3), in: Gemeinsames Amtsblatt des Kultusministerium und des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Nr. 3/1971, S. 126-129

§ 6:
"Die Dissertation muß dem Bereich eines Faches der Philosophischen Fakultät angehören, in Fragestellung und Ergebnis beachtenswert sein und die Fähigkeit des Bewerbers zu selbständiger wissenschaftlicher Forschung unter klarer Darstellung seiner Erkenntnisse dartun. [...]" (S. 127)

§ 12:
"Bei der Meldung zur Promotion hat der Bewerber bei der Fakultät einzureichen:
[...]
6. eine Erklärung mit folgendem Wortlaut:
An Eides Statt versichere ich, daß die Arbeit (Titel d. Diss.) von mir selbst und ohne jede unerlaubte fremde Hilfe angefertigt wurde, daß sie noch keiner anderen Stelle zur Prüfung vorgelegen hat und daß sie weder ganz noch im Auszug veröffentlicht worden ist. Die Stellen der Arbeit – einschließlich Tabellen, Karten, Abbildungen usw. –, die anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen sind, habe ich in jedem einzelnen Fall als Entlehnung kenntlich gemacht. Ich weiß, daß wegen einer falschen eidesstattlichen Versicherung bereits erfolgte Promotionsleistungen für ungültig erklärt werden und eine bereits verliehene Doktorwürde entzogen wird; § 24 der Promotionsordnung ist mir bekannt." (S. 128)

§ 24:
"Bereits erfolgte Promotionsleistungen werden von der Fakultät für ungültig erklärt, und eine bereits verliehene Doktorwürde wird nach den staatlichen Bestimmungen wieder entzogen, wenn die Fakultät im Hinblick auf die gemäß § 12 einzureichenden Urkunden oder abzugebenden Erklärungen getäuscht worden ist (vgl. das Gesetz über die Führung akademischer Grade vom 7. 6. 1939; RGBl. I Seite 985). [...]" (S. 129)

Anmerkungen Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 1,2 Das angegebene Alter ist unzutreffend – ebenso wie in diversen weiteren Publikationen (auch solchen von Margarita Mathiopoulos selbst) seit den frühen 1990er Jahren, in denen entsprechende Angaben oft nicht auf das korrekte Geburtsjahr 1956 (s.a. ein notariell beglaubigtes Dokument von 2001), sondern meist auf 1957 bezogen sind oder jenes Jahr fälschlicherweise als Geburtsjahr angeben.)

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